Das gute alte Briefgeheimnis

Wie schön, wenn man sich per Mail austauschen kann. Schneller als ein Brief, und oft konkreter als ein Telefonat. Privat wie geschäftlich. Bei Plattform-übergreifender Zusammenarbeit oder in CMS-Netzwerken spart das einvernehmliche Copy-Pasten bzw. Weiterreichen einer Mail im Idealfall sogar ein komplettes Meeting. Yippieh.

Unlustig wird die Sache, wenn Sender und Empfänger privater Mail-Briefe völlig unterschiedliche Vorstellungen von Privatsphäre kultivieren. Wenn also beispielsweise der Absender einer Mail davon ausgeht, dass der Empfänger den Inhalt vertraulich behandelt, ebenjener Empfänger aber daraus eine Fwd-Wurfsendung für verschiedene Rezipienten macht. Selbstverständlich ohne den Absender um Erlaubnis zu fragen oder ihn darüber zu informieren.

Unser Gesetz kann in diesem Punkt auf verschiedene Arten interpretiert werden, weshalb es bisher auch widersprüchliche Urteile hierzu gibt. Das Grundgesetz ist da schon konkreter. Und der gesunde Menschenverstand erst recht. Interessanter Artikel zum Thema: Brief- und Fernmeldegeheimnis bei E-Mails?

Was mich persönlich betrifft: Ich brauche keinen Gesetzestext, der mir sagt, ob private Mailinhalte privat sind oder nicht. Wenn mir jemand in einer Mail persönliche Dinge mitteilt, reiche ich diese nicht an Dritte weiter, auch nicht auszugsweise. Punkt. Es sei denn, der Absender gestattet mir dies explizit, oder es handelt sich erkennbar um ein Rundschreiben. Lässt man mir umgekehrt Mails von Dritten zukommen, ohne dass diese darüber informiert sind (»ich erzähl dir das mal unter dem Siegel der Verschwiegenheit«), empfinde ich das nicht nur als geschmacklos, sondern auch als aussagekräftig, was die zu erwartende Diskretion des Kommunikationspartners bezüglich MEINER Mails angeht. Ob es ein Gesetz gibt, das dies eventuell gestattet, spielt für mich keine Rolle – ich mag es nicht und empfinde es als unhöflich.

Oder unplugged: Wer mir Mails anderer Leute ohne deren Wissen weiterleitet, macht sich bei mir unbeliebt, weil ich ja davon ausgehen kann, dass er auch mit meinen Mails so verfährt. Weshalb ich den Kontakt mit derart, ahem, »gesprächigen« Kommunikationspartnern tagesaktuell einstelle, sobald ich davon Kenntnis erhalte. Die Grenze zwischen launigem Tratsch und übergriffigem Vertrauensbruch ist in meinen Augen keine virtuelle Grauzone, sondern eine Frage des Respekts.

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