Was PMS wirklich bedeutet

Frauen sind rätselhafte Wesen. Höre ich immer wieder. Meistens von Männern. Nun ist einiges am weiblichen Dasein weniger rätselhaft als bauartbedingt. Aber der Reihe nach. Das Zauberwort heißt Zyklus, respektive weiblicher Hormonspiegel.

(Aus dem Off entsetztes Männergebrüll: »Iiih, kein Frauenkram!«)

Doch: Frauenkram. Hier und jetzt. Schließlich befassen Frauen sich hingebungs- und verständnisvoll mit männlicher Midlife-Crisis, Rasurflechte, Haarausfall, unschönem Wildwuchs an anderer Stelle, mentaler wie physischer Impotenz, verbaler Grobmotorik und lesen Psychoratgeber über die Notwendigkeit von Zweit- und Drittfrauen.

Der wichtigste Irrtum: PMS steht nicht für Prämenstruelles Syndrom. Alles Quatsch. PMS heißt Penthesileahaftes (die Oper, nicht Kleist) Männerverstörendes Sozialverhalten, ugs. Pradabenötigendes Machmichnichanweil Superempfindlich oder einfach engl. Pukebarf Motherf**** S**t.

Laut Wikipedia bezeichnet PMS »…in jedem Monatszyklus auftretende, äußerst komplexe Beschwerden bei Frauen, die vier Tage bis zwei Wochen vor dem Eintreten der Regelblutung einsetzen und die nach der Menopause meist verschwinden (…) Die Stimmungsschwankungen sind jedoch nicht alleinige Folge der leichten bis starken Schmerzen, so dass in der Psychiatrie auch von einer Lutealphasen-Dysphorie (englisch: late luteal phase dysphoric disorder) gesprochen wird. Rein seelische Ursachen können dabei durch weitreichende Forschungen weitgehend ausgeschlossen werden.«

Angekommen? Rein seelische Ursachen können dabei weitgehend ausgeschlossen werden. Übersetzung: Wir sind NICHT hysterisch oder therapiebedürftig oder irgendwie komisch, sondern  kerngesund.

Erstes Anzeichen ist der Huch-Moment beim Blick nach unten. Statt lackierter Zehennägel und sachte hervorstehender Hüftknochen sehe ich einen Bauch, der aussieht, als beherberge er Drillinge. Meine Beine wiederum scheinen sich an griechischer Architektur orientieren zu wollen. Der zweite Blick geht in den Spiegel. Was mir da entgegenblickt, finde ich so als Gesamtkunstwerk ziemlich fein. Heute würde ich es gerne gewinnbringend unter Faschingszubehör bei Ebay versteigern. Ist aber festgewachsen. Plöt. Also Zähneputzen und anziehen. Was schwierig wird, denn viele meiner Lieblingssachen wurden über Nacht zu eng und werden es die nächsten drei Tage auch bleiben. Grr. Das erste Grrrrr von vielen an diesem Tag.

Das nächste Grrrrrr kommt bestimmt. Dabei handelt es sich um Stimmungsschwankungen und grundlose Aggression. Wenn mir an diesem Tag eine fehlerhafte Handyrechnung, die Zeugen Jehovas oder Mario Barth begegnen, ist das praktisch. Jemanden zur Sau machen, der es von Natur aus verdient, entspannt ungemein. Heulanfälle, Wutausbrüche, Hyperaktivität, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, echte und eingebildete Sinnkrisen, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Heißhunger auf ungewohnte Sachen bei gleichzeitiger Appetitlosigkeit sowie spontane Entzündungen irgendwo zwischen Augenbrauen und Zehen gehören zum Standard. Womit Frau ganz entspannt leben kann, denn erstens ist alles nur hormonell induziert und dauert zweitens netto nur ein paar Stunden. Also gelassen zurücklehnen? Mitnichten. Denn während dieser Zeit muss man ja mit seiner Umgebung klarkommen.

Hier beginnt und endet das Problem. PMS hat man nicht, jibbet nicht, pscht, Ruhe da unten. Eine Frau, die sagt »heute könnte ich euch alle direkt wegsprengen, ihr seid soooooo dämlich. Aber keine Panik, das sind die Hormone, morgen krieg ich meine Tage und bin wieder lieb« wird zum Psychiater geschickt oder bekommt diskret eine angebrochene Packung Stimmungsaufheller zugesteckt. Weil, normal ist das ja nicht.

Newsflash: Doch, es IST normal!

Machen wir die Gegenprobe. Da versumpft ein verheirateter Mittfünfziger in einer Lebenskrise, nachdem ihn seine Teilzeit-Geliebte nach dem Zweck einer Haarfarbenpackung im Bad fragte, lässt sich aus seinem Job feuern, akquiriert zum Trost eine noch jüngere Mätresse und verlangt dafür Verständnis, sogar von der betrogenen Ehefrau. Die antwortet nicht mit dem Ruf nach Psychopharmaka oder beherztem Koffer-vor-die-Tür-stellen, sondern liest sich durch meterweise Lebenshilfe-Literatur, klagt ihr Leid im Frauenforum und sucht nach Erklärungen für das Verhalten ihres Zuckerpüppchens. Mitunter jahrelang. Aber sobald sie selbst mal für ein paar Stunden im Monat durch den körpereigenen Chemiecocktail aus dem Gleis geworfen wird, muss sie sich als psychisch kranke Zumutung betrachten lassen?

Allerdings, ein bisschen verstehe ich manche Männer und ihr diesbezügliches Unbehagen. Woher sollen die armen Jungs denn auch wissen, wie Frauen ticken, wenn es ihnen niemand halbswegs zivisliert und verständlich vermittelt?

Ich kenne zwei Frauen, die selbst im Hochsommer maskuline Hosenanzüge und Hemdblusen tragen, ihre Brüste mit Minimizer-BHs wegquetschen und als ostentatives sexuelles Neutrum die Männerwelt um Anerkennung anflehen. Die sie natürlich nie kriegen. Woraufhin die Damen sich dann an meiner Schulter über die Erfolglosigkeit dieser Maßnahmen sowie Hämatome in Brust- und Seelensubstanz ausweinen. Nur um sich am nächsten Morgen wieder in Minimizer und Anzug zu zwängen . Tja nun. Außer Schulter hinhalten und Taschentücher reichen kann ich da leider nichts tun. Antifeminine Selbstkasteiung liegt mir nicht. Oder um es im PMS-Vokabular zu sagen: Auf solche Aktionen scheiß ich.

Ich bin eine Frau und weigere mich, meine damit verbundenen Befindlichkeiten als Krankheit anzusehen, die man wegtherapieren muss, nur damit einzwei Möchtegern-Alphamännchen sich nicht von mir bedroht fühlen.

Ja, ich kriege einmal im Monat einen doofen Pickel am Kinn, Heißhunger auf absurd scharf gewürzte Sachen, fluche wie ein Hafenarbeiter und trete jedem in den Arsch, der es wagt, mich im falschen Tonfall nach der Uhrzeit zu fragen. Und? Dafür kann ich multiple Orgasmen, mir beim Zähneputzen mit der freien Hand die Augen schminken, ein Auto kurzschließen, innerhalb von 10 Tagen einen 190-Druckseiten-Erotikroman schreiben, verletzte Eichhörnchen gesund pflegen, eine Strategiekonferenz moderieren, ein 165 Meter langes Frachtschiff vom Rhein in den Main steuern ohne anzudengeln, schicke Pullover stricken und auf zwölf Zentimeter hohen Absätzen einem Bus nachrennen (und ihn erwischen.) Nur halt eins nicht: gleichmäßig lauwarm drauf sein.

(Richtige Männer können sowas übrigens ab;-)

.

.

.

.

.

.

© Kathrin Elfman

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: