Ein Mord in Gedanken spart den Gang zum Psychiater

Dieser weise Satz stammt nicht von mir. Er bildete den Schlusspunkt des Bühnenprogramms von Dagmar Schönleber, deren kreatives Schaffen ich jedem ans Herz legen möchte, der sich bei aktuellen, massenmedial promoteten Lustigsachen irgendwie randgruppig fühlt. Wir leben ja in einer Zeit des Etikettenschwindels, der Mario Barth als witzig deklariert, Computergeraschel als Musik, Sexkontakte als Seelenverwandtschaften, vergrabene Kühlschränke als Landschaft und Oettingersprech als charmant. Sign o’ the times, kann man nichts machen. Wirklich nicht?

Doch, kann man. Zum Beispiel nicht alles abnicken und konsumieren, was einem vorgesetzt wird, sondern probeweise die eigene Wahrnehmung nebst Gehirn einschalten. Kostet nichts, tut nicht weh und kann sogar, huch! richtig glücklich machen. Im Idealfall begegnen einem dabei weitere glückliche Gehirneinschalter, und ehe man sich’s versieht, sitzt man im Mainzer Unterhaus, trinkt das dritte Bierchen und lacht sich kringelig.

So geschehen am 6. Februar diesen Jahres. Dagmar Schönleber und Hans Gerzlich treten im Rahmen der Kabarett-Bundesliga gegeneinander an. Nun finde ich die Idee, Künstler unterschiedlicher Disziplinen um einen Sieg in der Publikumsgunst kämpfen zu lassen, ein wenig skurril. Schließlich kämpfen Tulpenzüchter auch nicht gegen Brezelbäcker. Aber gut.

An dem Abend bestätigte sich mein Eindruck, den ich seit 2007 von Dagmar Schönleber habe: Die Frau ist authentisch. Kein Gag wirkt angelesen oder ranschmeißerisch. Was sie schreibt und vorträgt, ist echt. Es entspringt einem kreativen Geist mit Sehnsucht im Herzen und schön viel Wut im Bauch. Dieser Geist singt, liest, schreit und schimpft nicht nur vortrefflich auf der Bühne, sondern verfasst auch Bücher. »Nackt im Bus« heißt eines davon und erscheint im März. Ein Exemplar der Vorgänger-Auflage im Muschel-Verlag habe ich vorgestern gelesen. Nun pflege ich eher selten unsere Nachbarn nachts um drei mit chipskrümelgeschwängertem Gelächter aus dem Schlaf zu reißen. Aber tschuldigung, bei Kalle, Lenin und Puddingbrumsel konnte ich einfach nicht mehr. Weshalb ich finde, dass eine schamlose Kollegenwerbung an dieser Stelle gerechtfertigt ist. Bitteschön: Website und myspace-Seite von Dagmar Schönleber. Und das Buch kaufen. Ganz im Ernst.

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