Wenn Wünsche wahr werden

Sternschnuppenzeit. Schnell, wünsch dir was! Es plaudert sich so leicht dahin, sehnsuchtsvoll, möchtegern. Hätt’ so gerne. Wenn doch nur. Man könnte, müsste. Wenn ich reich wäre. Wenn ich Zeit hätte. Glückskekswünsche. Horoskopwünsche. Bleigießwünsche. Wimperwegpustwünsche. Im Wünschen sind wir Weltmeister. Komische Sache, erster Akt.

Zweiter Akt, nicht minder komisch: Wenn sie in Erfüllung gehen, bleibt bei vielen Menschen das große Feiern aus. Beklommene Hilflosigkeit macht sich breit, und die Weigerung, das Wunder anzunehmen. Careful what you wish for ‚cos you just might get it. Klar wollte ich den Traumjob, die Begegnung mit dem und dem, einen Riesenhaufen Geld, die große Liebe, nur sooooo hab ich mir das nicht vorgestellt. Kaltfußiges Hosenvollfühl, das die schönste Wunscherfüllung schal schmecken lässt. Ist dann das bestellte und nicht abgeholte Wunder im alltäglichen Schubladendenken untergegangen, stellt sich der große Frust ein, gerne gepaart mit irrationalem, toxischen Neid auf andere Menschen. Zu erkennen an einer Frage, die ich erst kürzlich wieder hören musste: »Warum passieren dir eigentlich immer solche Sachen?«

Mit »solche Sachen« sind Dinge gemeint, die es eigentlich nicht gibt. Dinge, von denen andere träumen, mit deren realem Erleben sie jedoch, Kalaueralarm, im Traum nicht rechnen. Hosenvollfühl usw. siehe oben. Schade eigentlich. So viel Angst.

Ja natürlich, es ist sportlich herausfordernd, wenn Wünsche sich erfüllen. Ob nun ganz egoistische Selbstglücklichmacher oder für andere gewünscht. Es ist ein Vorgang, der einen auf links dreht, und den man erstmal verkraften muss. Egal, welchem Sehnen und Hoffen mein stummes »das will ich« bisher galt, in fast allen Fällen wurde daraus ein »bitteschön, da hast du es. Nun mach was draus«. Jedesmal unverhofft. Jedesmal anders als erwartet. Manchmal mit Konsequenzen, auf die ich gerne verzichtet hätte. Rückblickend immer gut. Und daher immer wieder nur: Danke. Warum mir das passiert? Ja, woher soll ich das denn wissen? Vielleicht, weil ich grundsätzlich alles für möglich halte? Vielleicht auch, weil ich ackere wie ein Rückepferd, frei nach Justus Georg Schottel, der im 16. Jahrhundert schrieb: »Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott«? Vielleicht, weil es Dinge gibt, die wichtiger sind als ein RTL-kompatibles Saubermannidyll in Platos muffiger Schattenspielhöhle?

Vielleicht auch nur, weil ich bescheuert genug bin, an Wunder zu glauben;-)

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