Verrückt, weil verliebt?

Ich habe den schönsten Beruf der Welt. Wieder einmal darf ich mich im Rahmen eines Auftragstextes mit einem hochinteressanten Thema beschäftigen: Verliebtheit. Hierzu sagt die italienische Psychiaterin Donatella Marazziti von der Universität Pisa: »Ein verliebter Mensch befindet sich in einem Zustand, der sich am besten mit dem eines Zwangspatienten vergleichen lässt.« Angeblich sinkt der Serotoninspiegel bei frisch Verliebten auf ein ähnlich niedriges Niveau wie bei Patienten mit Zwangsneurosen. Gleichzeitig erfolgt eine exzessive Bündelung der Gedanken auf das Objekt der Begierde, die sich nicht kontrollieren lässt. Ist also das biochemische Gleichgewicht im Gehirn eines Zwangspatienten vergleichbar mit dem eines heftig verliebten Menschen? Auch wenn Pilcherfreunde und Romantiker sich bei diesen Worten verstört abwenden – der Gedanke hat was.

Wozu benötigen wir überhaupt Botenstoff-Messungen? Wir brauchen uns doch nur unsere schöne Sprache zu betrachten. Sie offenbart anschaulich, was mit uns los ist, sobald wir uns verlieben. Ich bin völlig verrückt nach dir. In deiner Nähe werde ich wahnsinnig vor Lust. Du bringst mich um den Verstand. Ich kann nicht klar denken, sobald du bei mir bist. Ich gehe die Wände hoch, wenn wir uns nicht nahe sein können. Hm. Dass aus soviel Getöse und Irrsinn tatsächlich wahrhaftige Liebe erwachsen kann, ist eigentlich ein Wunder. Tut sie das wirklich? Entsteht wahre Liebe wirklich aus Verliebtheit, oder kann sie auch ganz still und sanft zwischen zwei Menschen wachsen? Ohne Schmetterlinge, rosa Brillen und hochpotente Hormoncocktails? Was ist mit besten Freund(inn)en, zwischen denen eine tiefe Liebe und Verbundenheit existiert, obwohl sie niemals ineinander verliebt waren?

Advertisements

2 Kommentare zu „Verrückt, weil verliebt?

Gib deinen ab

  1. Dazu gibt es ein wunderbares Buch von Michel Birbaek – Die Beste zum Schluss. Er beschreibt genau dieses Phänomen der geistigen Verwirrtheit.

    1. Dankeschön:-) ich bin in »Die Liebe, und wie sich Leidenschaft erklärt« von Bas Kast über das Thema gestolpert. Der Vergleich mit dem Zwangspatienten, der sich 43 mal täglich die Hände wäscht, ist schon kurios, aber eben sehr treffend…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: