Gender Pay Gap, oder: Die Frau sei dem Manne untertan

von Kathrin Elfman

Aktuell wird wieder über die sogenannte Gender Pay Gap diskutiert. Weil Frauen immer noch deutlich weniger verdienen als Männer. 23 Prozent, und so weiter. Gleicher Lohn bei gleicher Leistung und Qualifikation, lautet die Forderung. Völlig zu Recht. Aber leider werden wieder nur alte Zöpfe aufgedröselt, durchgewuschelt und zu komplizierten Frisuren zusammengefriemelt, statt die Matte endlich einmal gründlich zu waschen.

Szenenwechsel. Rheinufer Wiesbaden, heute. Diskussion in einer Gruppe 6-13-jähriger Kinder. Nicht repräsentativ, aber aufschlussreich. Die Frage: Was sind eure Traumberufe? Was wollt ihr gerne sein, wenn ihr groß seid? Antworten der Jungs: Pilot, Arzt, DJ, Musikproduzent, Schiffsführer, Anwalt. Antworten der Mädchen: Flugbegleiterin, Sekretärin, Arzthelferin/Krankenschwester, Model, Anwaltsgehilfin. Ich fühle mich um gute 30 Jahre zurückversetzt. Umfrage 7. Gymnasialklasse. Schon damals sahen die Antworten ähnlich aus. Und schon damals dachte ich, Mädels, was ist bloß los mit euch?

Die Frau sei dem Manne untertan (Epheserbrief Kapitel 5.) Ich werde das ungute Gefühl nicht los, dass Mädchen auch im Jahr 2012 nach ebendiesem Leitsatz erzogen werden. Von wem? Wo kommt es her, das unterwürfige Einfügenwollen in eine männerdominierte Hierarchie? AnwaltsGEHILFIN. ArztHELFERIN. Sind das Berufsbezeichnungen oder Diagnosen? Wenn es schon die medizinische oder juristische Themenwelt sein soll, warum dann nicht Anwältin oder Ärztin, wenigstens als Primärziel? Downsizen geht später immer noch. Aber wer gar nicht erst über die Rolle der Helferin hinauswill, darf sich nicht wundern, immer wieder dafür gecastet zu werden.

Ein böser Gedanke fluppt in meinen Präfrontalkortex und mündet in eine noch bösere Theorie: Könnte es sein, dass, oh Schreck! »das Mutti« hier ursächlich mitwirkt? Weil Töchti subtil und nachhaltig vermittelt bekommt, dass es ein lohnenderes Lebensziel sei, einen potenten Ernährer in Form eines Piloten, Anwalts oder Arztes zu akquirieren, als selbst in diesen Berufen zu arbeiten?

Die Frau sei also dem Manne untertan. Wahlweise auch der Führungsbitch in Nadelstreifen. Nein, es gehört sich nicht, es laut auszusprechen. Ich mache es trotzdem: In den Unternehmen, die ich bisher von innen kennenlernen durfte, sind nicht die männlichen Vorgesetzten für gläserne Decken in vertikalen Hierarchien verantwortlich, sondern, Überraschung! weibliche Führungskräfte, die ihren Geschlechtsgenossinnen nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen und sie gnadenlos von der Karriereleiter schubsen. Mit Methoden, die so intrigant sind, dass kein männlicher Kollege sie anwenden würde.

Die vierte Kraft erledigt den Rest und singt das Quodlibet von chancenlosen Frauen, beschwört gar eine Frauenquote als notwendiges Karrieretool und gibt gleichzeitig zu bedenken, dass gegen die pösen »patriarchischen Strukturen« nicht anzukommen sei. Sososo. Heißt übersetzt: Ihr Mädchen seid klein und schwach, findet euch damit ab? Ist das so perfide, wie es klingt? Was nützt eine Frauenquote, wenn das verfügbare »Material« so devot ist? Was war zuerst da: die Helfer-Henne oder das Piloten-Ei?

Mir ist in den letzten 43 Jahren keine einzige Frau persönlich begegnet, die aufgrund frauenfeindlicher »partiarchischer Strukturen« den allerkleinsten beruflichen Nachteil in Kauf nehmen musste. Was daran liegen könnte, dass für die Frauen in meinem Bekanntenkreis das Gleiche gilt wie für die Hummel, der keiner gesagt hat, dass sie eigentlich nicht fliegen kann.

Ob nun männliche oder weibliche Schlipsträger den Weg nach oben (wo auch immer das sein mag) blockieren: Die neudeutsch als »Lifestyle Choices« bezeichneten Entscheidungen unterliegen glücklicherweise aktuell der Selbstverantwortung des Einzelnen. Keine Regierung, keine Religion und kein Vorstandsvorsitzender kann (und darf!) uns diese Freiheit der Selbstbestimmung abnehmen. Eine Frau, die für sich entscheidet, ihr Lebensglück in der Politik, im Showgeschäft, in einer Sekte, an Bord eines Greenpeace-Bootes, an der Spitze eines Unternehmens oder in der Familie zu finden, oder auch in mehreren Bereichen gleichzeitig, schafft das, wenn sie will. Aber auf halbem Weg schlappmachen mit der Begründung, dass auf dem Weg zum Etappenziel keine politischen oder gesellschaftlichen Steigbügelhalter zur Stelle seien, güldet nicht;-)

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