ÄhUh-Sonderbeschluss: Schwerkraft wird privatisiert

Die Nachricht lockte Journalisten aus aller Welt nach Brüssel zur größten Pressekonferenz des Jahres. Dort trat, stellvertretend für die ÄhUh und die drei weltgrößten Energie- und Wasserkonzerne, Herr Dr. Viegmich Britzeldödel vor die Mikrofone.

Man sei sich der enormen logistischen Herausforderung bewusst, so Britzeldödel, die Privatisierung sei aber, wie schon zuvor beim Wasser, unumgänglich. Es bestehe akuter Handlungsbedarf. Schon viel zu lange würde die gegenseitige Anziehung von Massen in unbegrenzter Reichweite und ohne Abschirmung unentgeltlich genutzt und dadurch in unverantwortlicher Weise ausgebeutet. Das ginge so nicht weiter. Britzeldödel: »Wo kommen wir denn hin, wenn hier jeder aus dem Fenster springen kann, wie er will?«

Die lukrativen Schwerkraftangebote des Planeten Erde seien ein kostbares Wirtschaftsgut, welches man verantwortungsvoll in den Markt einführen und durch sensible Preispolitik verfügbar machen müsse. Man dürfe, auch um Arbeitsplätze zu schaffen, das produktimmanente Umsatzpotenzial nicht ungenutzt lassen. Dies sei durchaus im Sinne der Allgemeinheit. Britzeldödel begründete dies mit einem praktischen Anwendungsbeispiel. Dadurch, dass übergewichtige Menschen deutlich mehr Schwerkraft verbrauchen würden als GNTM-Teilnehmerinnen oder die Biene Maja, entstünde derzeit ein soziales und wirtschaftliches Gefälle, das zu gesellschaftlichem Unfrieden führen könne. Auf die Frage, was Menschen, die sich die geplanten Schwerkraft-Tarife nicht leisten können, tun sollten, entgegnete Britzeldödel knapp: »Weiß ich doch nicht, die fliegen halt gratis ins Weltall.«

Zu den technischen Eckdaten des Projekts sagte er: »Wir verpflichten uns strengsten Kontrollen. Nur durch eine konsequente Regelung von Angebot und Nachfrage lassen sich auf Dauer die Verfügbarkeit, Qualität und Stabilität der irdischen Schwerkraft zum Nutzen der Allgemeinheit sicherstellen.«

Dem Einwand des Geografie-Experten Prof. Dr. Ausbuddel, dass dies doch bereits seit rund 620 Millionen Jahren tadellos funktioniere, immerhin sei die Gravitation verantwortlich für die Entwicklung des gesamten Universums und lenke Kometen, Planeten, Monde und Satelliten, begegnete Britzeldödel: »Ihre Angaben sind falsch, Sie Pupsgesicht! Schon jetzt variiert die vorgeschriebene Gravitation von g = 9,80665 m/s2 aufgrund einer nicht ÄhUh-konformen Erdabplattung sowie schwankender Zentrifugalkräfte und Höhenprofile um mehrere Promille. Und jetzt raus, alle!«

Die subtil brüsk vorgetragene Abschlussbemerkung lässt vermuten, dass die Privatisierung der Schwerkraft nicht die einzige Änderung in diesem Jahrtausend sein wird. So deutete Britzeldödel bereits an, als Nächstes die bisher ohne gültige ÄhUh-Richtlinien genutzten Fliehkräfte der Erdrotation strenger zu reglementieren, um dadurch ein ertragreicheres Rumkugelverhalten des Planeten sichern zu können.

© Kathrin Elfman 15. Januar 2013

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5 Kommentare zu „ÄhUh-Sonderbeschluss: Schwerkraft wird privatisiert

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  1. Reblogged this on Ulla Keienburg s Blog und kommentierte:
    Nach Wasser-Privatisierung nun auch die Gravitation! Lesen, hier:
    ÄhUh-Sonderbeschluss: Schwerkraft wird privatisiert
    zaubertinte11.wordpress.com
    Die Nachricht lockte Journalisten aus aller Welt nach Brüssel zur größten Pressekonferenz des Jahres. Dort trat, stellvertretend für die ÄhUh und die drei weltgrößten Energie- und ….

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