Das Universum kann nur Präsens!

Ja, es nimmt derzeit Ausmaße an: das unbedachte Daherplappern von Affirmationen mit anschließendem Gejammer darüber, dass sie Realität werden. Ein paar Beispiele, die Ihnen bestimmt auch schon begegnet sind:

»Scheißmontag!«
»Lieber arm und gesund als reich und krank.«
»Als Künstler hat man’s immer schwer.«
»Das Geld geht schneller weg, als es reinkommt.«
»Ich hab Probleme.«
»Die da oben machen mit uns hier unten, was sie wollen.«
»Ich werd immer nur belogen, menno.«
»Ich finde nie einen Partner.«
»Ich bin krank.«
»Mein Job ist so scheiße.«
»Ich will …«

Das ist das übelste Geseufze von allen, dieses trotzige »will.« Und anschließend das ebenso trotzige Jammern darüber, dass sich das Gewollte partout nicht einstellen will. Ja, hallo? Der Weltgeist kann nur Präsens. Wer so versessen aufs Wollen ist, bekommt genau das: ewiges Wollen. Ohne dass ein »ich habe« oder »ich bin« draus werden kann.

Um ein Missverständnis gar nicht erst entstehen zu lassen: Ich bin keine Esoterik-Schnecke, die sich Texte von Räucherstäbchenpackungen an den Kühlschrank klebt und meint, wenn sie sie hundertmal laut vorliest, wird’s ein Zauberspruch. Ich bin aufgrund alltäglicher Erfahrungen zu der Überzeugung gelangt, dass Worte und Gedanken enorme Schöpfungskraft besitzen. Nicht nur in meinem Beruf.
Es ist ein Naturgesetz, dass immer genau das gedeiht, worauf ich meine Kraft, Aufmerksamkeit und Worte richte. Dazu braucht’s keinen Guru und keine Kirche. Kostet nicht mal was. Nur eine Entscheidung und ein paar Minuten klarsichtiges, bewusstes Nachdenken. Aber die sind gut investiert.

Was denken Sie: Wird ein Mensch je finanziell auf einen grünen Zweig kommen, der »lieber arm und gesund als reich und krank« denkt? Also in der Gewissheit lebt, Reichtum führe automatisch zu Krankheit, und Armut sei der einzige Weg, gesund zu bleiben?
Kann jemand bei seiner Arbeit glücklich und zufrieden sein, wenn er täglich vehement bekräftigt, dass sein Job scheiße sei? Oder problemfrei leben, wenn er den Status des Problemhabens verbal festbetoniert? Oder eine Liebesbeziehung beginnen, wenn er doch soooo überzeugt ist, niemals jemanden zu finden? Oder ein glückliches, selbstbestimmtes Leben führen, wenn er sich als »hier unten« positioniert, der »denen da oben« ausgeliefert sei?

Oder die typischen Mailings von Spendenorganisationen. Gestern wieder eins im Briefkasten gefunden. Fettgedruckte Eröffnungs-Zeile: »Fakt ist, wir müssen täglich um Geld kämpfen.« Autsch.
Nein, müssen »wir« nicht. Aber der Verfasser bzw. Absender scheint große Freude am Elend anderer Leute zu haben. Wer solche negativen Affirmationen für wahr hält, tausendfach druckt und verschickt, will genau das: täglichen Kampf ums Geld. Natürlich ohne welches zu bekommen, denn dann wäre der »Kampf« schlagartig vorbei, und genau das möchte der Absender ja nicht. Heiliges Synapsenmikado.

Ist es wirklich so, dass Menschen die Wechselwirkung von Wort und Wirklichkeit vergessen haben? Oder woher rührt diese allgemein goutierte Respektlosigkeit vor der Schöpfungskraft unserer Gedanken und Worte? Da sitzen sie vor der Puppenbühne, lauschen schwachsinnigen Phrasen und fordern dann in Petitionen die sofortige Inhaftierung des Krokodils. Sammeln Spenden für Oma, schimpfen auf den Polizisten. Und wenn’s Kaschberle mit dem Knüppel kommt und das Krokodil haut, applaudiert das Publikum in der ersten Reihe. Ohne zu bemerken, dass weiter hinten immer mehr Menschen aufwachen, aufstehen und einfach weggehen. (Ja, ich weiß, bullige Metapher und so. Aber mir war grade danach;-)

Na, zumindest ein paar »Aufgewachte« kenne ich. Erfreulich viele tummeln sich in meinem direkten beruflichen und privaten Umfeld. Dafür bin ich dankbar, denn dieser geistige Austausch tut mir gut. Und es werden immer mehr, freu.

(Ja, DAS war zum Beispiel eine Affirmation. Gut aufgepasst!)

von Kathrin Elfman

PS: Ach ja, weil es schlaue Leute gibt, die das Ganze ca. 500 v. Chr. in Worte gefasst haben, ein kleines Zitat (Quelle Wikiquote):

Man fragte Konfuzius, womit er beginnen würde, wenn er ein Land zu verwalten hätte.
»Ich würde den Sprachgebrauch verbessern«, antwortete der Meister.
Seine Zuhörer waren erstaunt.
»Das hat doch mit unserer Frage nichts zu tun!«
Konfuzius antwortete:
»Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande, so gedeihen Moral und Kunst nicht. Gedeihen Moral und Kunst nicht, so weiß die Nation nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Also dulde man keine Willkürlichkeit in den Worten. Das ist es, worauf alles ankommt.«

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16 Kommentare zu „Das Universum kann nur Präsens!

Gib deinen ab

    1. Vielen Dank, lieber Georg! Den Claim Deiner Website »sag’s einfach« finde ich übrigens gut.
      In Wiesbaden gibt’s eine Fahrschule, die heißt »Fahrdoch!« Ähnlicher Grundgedanke.
      Einfach klar sagen, worum es geht, dann übernimmt das Leben ganz geschmeidig den Rest;-)

  1. Klasse geschrieben.
    Wort, Sinn, Klang, Bedeutung, Wirkung …

    Eines „meiner Themen“. Ich freue mich, dazu von Dir solche klaren, ungeschönten Gedanken zu finden.

    Ich kann mein ganzes Leben lang schon Sprüche nicht leiden, und gebe zu, heutzutage Sprache oft nicht mehr zu verstehen. Aber das liegt vielleicht am Alter und ich erlaube mir, eigenartig zu sein, wenn es zum Allgemeinartigsein gehören sollte, den „modernen“ Sprachgebrauch mitzumachen.

    ich fühle mich immer mehr hier „zuhause“. Schaffe es nur scheibchenweise, mich hindurchzulesen, komme aber aus Interesse und Neu—Gier immer wieder.

    Beste Grüsse
    charlotte (ACR)

  2. Du hast so recht, Frau Elfmann! Gutes kann erdacht und ersprochen werden! Und wenn man das verklemmte, verschüchterte Ego in seinem Kopf, das immer mal wieder schrill quiekt „ich hab das doch nicht verdient!“, „da muss doch ein Haken an der Sache sein!“ bewusst ausknockt, dann tut das sehr gut und man hat Mordsspaß an der ganzen Sache. 😉

    1. Hach, wie Du das wieder auf den Punkt bringst Frau Schönleber ❤ das zweifelnde Quiek-Ego mit dem angerempelten Selbstwert haben wir ja alle mehr oder weniger in uns, gehört zum Spiel. Aber ich habe das Gefühl, mit den Jahren wird der kleine Schreihals immer umgänglicher…..

  3. Vielleicht solltest du deinen Text anhand der Thesen, die du vertritts – die ich schon sehr lange anwende(siehe Louise Hay) einmal prüfen? Was erkennst du?
    Du beklagst das Gejammer anderer. Also? Was begegnet dir?

    1. Liebe/r Yngrid,
      dankeschön für die Rückmeldung. Dass Sie mich unbekannterweise duzen, ist grenzwertig, kann aber mit Internet-typischen Umgangsformen entschuldigt werden 😉 Dass Sie Ihre Identität wie ein virtueller Heckenschütze hinter einem Pseudonym verstecken, macht es mir aber leider unmöglich, Ihre Einlassung ernst zu nehmen.
      Trotzdem herzlichen Dank und beste Grüße
      Kathrin Elfman

  4. …das ist wahr und null-Esoterik. Aber Hinschauen ist dafür wichtig und DAS ist manchmal äußerst intensiv. Aber so verhält es sich ja auch bei Krankheiten: wenn vorher die Seele schon „gemuckt“ hat und keiner hört zu, kommt irgendwann der Körper mit Beschwerden.. auch nicht neu, auch kein Hokuspokus und seeehr spannend 🙂 vielen Dank für eine Menge toller Texte.

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