Nichtraucher-Schutzgesetz?

Soso, in NRW gilt nun also das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz. Klingt ein bisschen wie Artenschutzgesetz, oder? Als ob Nichtraucher eine vom Aussterben bedrohte Spezies seien. Aber huch, was ist das? Kaum veröffentlicht, zieht die Meldung einen Rattenschwanz rußschwarzer Endzeit-Szenarien hinter sich durch den Blätterwald. Haufenweise müssten nun Kneipen schließen, weil die zahlenden Raucher nun ausblieben. Tausende, ach was, Millionen Gastwirte würden nun aufgrund eines Umsatzdefizits in Höhe mehrerer Fantastilliarden aus der Selbständigkeit in Hartz IV abstürzen.

Und die armen Raucher, ach und weh. Die wissen gar nicht, wohin mit sich. Ziehen sich kummervoll aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und werden Monate später in ihren rauchgeschwängerten Behausungen gefunden. Dort liegen sie dann, die Unglücklichen, gut geräuchert und konserviert neben überquellenden Aschenbechern. Zwischen den nikotingelben Fingern klemmt ein Abschiedbrief, wahlweise ein depressiver Songtext oder eine Krankmeldung fürs Büro. Pfiffige Marketingmenschen sammeln diese Hinterlassenschaften, machen ein Buch draus, was sogleich in Bestsellerlisten landet und eine Diskussion über Randgruppendiskr…. ach, das mal lieber nicht zu Ende denken. Sonst kommt da wieder wer auf Ideen.

Bei aller Frischluftliebe, wie hirnlos das Gesetz ist, sieht man allein daran, dass es auch E-Ziggis und Shishas in Lokalen verbietet. Die E-Ziggi, okay, die mufft für mein Empfinden wie schmelzende Feinstrumpfhosen, was mir den Appetit mehr verdirbt als ein echter Tabakstengel. Aber Shishas? Formschöne, ambienteförderliche, unhygienische, gleichwohl gesellige, fruchtig-orientalisch duftende Wasserpfeifen? Dann konsequenterweise auch Bratäpfel, Zwiebelkuchen, Rotwein und Parfums. Bei deren Verwendung werden auch jede Menge Bestandteile umgewandelt zu atem- und riechbaren Partikelchen. Schauplatz Winzerstübchen: »Ey, aus Ihrem 2007er Pinot Noir strömen schädliche Gaspartikel in die Luft, tun Sie den mal sofort weg!« Vom dampfenden Kartoffelgratin mit Knoblauch ganz zu schweigen.

A propos Konsequenz: Wo bleibt das dringend benötigte Anti-Klavier-auf-den-Kopf-Fall-Gesetz? Eine Geißel der Menschheit! Ein Tabuthema, über das dringend gesprochen werden muss! Schon seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts gehen immer wieder heimtückische Klaviere aus dem Hinterhalt mit viel Getöse auf unschuldige Zeitgenossen nieder. Glücklicherweise hielten couragierte Zeichentrickfilmemacher dieses mörderische Szenario für die Nachwelt fest. Diesem Klavierterror muss endlich Einhalt geboten werden! Pianisten, Klavierlehrer, -schüler, -verkäufer, -spediteure und -stimmer sowie andere Beteiligte der Klavierindustrie müssen mit extrahohen Extrasteuern und einem Extraverbot für extradissonantes Schwarzweißdenken bestraft werden. In E-Moll. Außerdem dürfen Klaviere nur noch in Erdgeschossen oder maximal Hochparterre gehalten werden, um ihnen den Sprung vom Balkon zu erschweren, jawoll.

Besonders putzig finde ich ja die beiden militanten Nichtraucherinnen, die sich hier nebenan gern mal im Draußensitz-Kneipchen über die todbringende Wirkung eines vom Nachbarbalkon herangewehten, hauchzarten Tabakwölkchens empören, aber gleichzeitig vier Süßstoffpillen in den rechtsdrehenden artgerecht gezupften Bio-Öko-Fairtrade-Jasmintee tun. Hmm, lecker Aspartam. Da ist Nervengift dann plötzlich wieder okay?

Ach ja, ich bin übrigens Nichtraucherin, bzw. Ex-Raucherin. Vor knapp 20 Jahren aufgehört. Und mir ist völlig latte, ob meine Freunde und Kollegen neben mir in der Kneipe am Tisch qualmen oder nicht. Merkt ohnehin kaum jemand. Da gibt’s Parfumwolken, die Abluft aus der Tiefgarage, Bus- und LKW-Abgase vom vierspurigen Ring, Mikrowellen vom Handymast, Müllverbrennungsanlagenmief aus Mainz, Kerosindunst aus FRA. Und halt noch ein paar Zigarettenwölkchen. So what?

Wenn’s mich stört, zum Beispiel vor einer Aufnahmesession, bei der die Stimme geschmeidig sein soll, hänge ich ohnehin nicht in Kneipen rum, sondern mache brav meine Sprechübungen und Salz-Inhalationen. Und überhaupt, was ist eigentlich aus dem schönen Brauch geworden, vor dem Kippeanzünden in die Runde zu fragen, ob’s jemanden stört? Damit ließ sich viele Jahrzehnte lang das friedliche Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern regeln. Ganz ohne Blutvergießen, Petitionen, bescheuerte Gesetze und Verbote. Einfach dadurch, dass Menschen miteinander sprechen. Kommunizieren! Statt auf irgendwas beharren,  weil’s irgendwo steht. Nur mal als Anregung für Betonköpfe, die für jeden Pups einen Paragraphen benötigen. Überhaupt, Pupse! Wann wird dagegen was unternommen? Menschen pupsen. Einfach so, überall. Ohne dass das Methan- und Stinkaufkommen gesetzlich geregelt wird! Unfassbar. Da muss ein Nichtpupserschutzgesetz her, sofort.

Mal ganz ernsthaft. Nein, ich bin nicht der Meinung, dass überall geraucht werden sollte. Keinesfalls. Aber das ist meine persönliche Meinung. Die ich dort umsetze, wo ich die Möglichkeit dazu habe. So bestehe ich zum Beispiel in meiner Wohnung und im Büro auf rauchfreier Luft. Wenn auch weniger aus gesundheitlichen als aus logistischen Gründen. Zigarettenrauch und gedruckte Bücher, wahlweise auch teure Klamotten, bilden nun mal eine unheilvolle Allianz. Aber in Kneipen? Please. Die Entscheidung über Rauch oder Nichtrauch kann und soll jeder Gastwirt und jeder Gast für sich selbst treffen. Dazu braucht’s lediglich ein bisschen  Rücksichtnahme, Kommunikation und Selbstverantwortung. Genau diese wird aber durch idiotische Zwangsmaßnahmen systematisch ausgehebelt, respektive an eine imaginäre Legislative unter Zurhilfenahme der Judikative delegiert. Bah. Plötzlich reden keine echten Menschen mehr miteinander, sondern Raucher-Avatare streiten mit Nichtraucher-Avataren darum, wer die geileren Gesetzestexte hat. Sollndas!?

Das Leben ist nun mal bunt. In manchen Kneipen wird gequalmt. In anderen sind ätzende Stammgäste. In der dritten kann man nicht in Ruhe essen, weil einem ständig die sabbernden Ableger der Besitzerin ungefragt auf den Schoß klettern. In der vierten sind die Sitzmöbel so unbequem, dass mir die Arschbacken einschlafen, noch bevor das erste Bier gezapft ist. In der fünften läuft mörderlaute Technomusik auf 360bpm. In der sechsten gibt’s prima Musik, aber keine Parkplätze. In der siebten gefällt’s mir, hier bleibe ich. Vielleicht nehme ich aber auch Nr. 4 nebst Arschbackeneinschlaf-Möbeln in Kauf, weil dort die besten Bratkartoffeln der Welt serviert werden? Freier Wille. Ich kann mir aussuchen, wo ich hingehe. Wahlweise kann ich natürlich auch so lange nörgeln, bis endlich ein Anti-Arschbackeneinschlaf-Möbel-Gesetz erlassen wird.

weinglas

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2 Kommentare zu „Nichtraucher-Schutzgesetz?

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  1. Darf man fragen in welchem Teil NRWs regelmäßig absichtlich Klaviere durch die Luft fliegen, sodass hier die impliziten Gesetze bzw. Unfallverhütungsvorschriften nicht mehr ausreichen, und ein eigenes her muss? 😉

    Ich finde es gut, dass ich mich bald nicht mehr entscheiden muss, ob ich mich von jemandem, der seinen freien Willen an der Nikotintür abgegeben hat, vergiften lasse, oder ich um das zu verhindern (ggfs. mehrfach) die Lokalität wechsle (wechseln muss, freier Wille my ass).
    In der vielfältigen Ausgeh-Landschaft Kölns ist das zwar selten ein echtes Problem, nichtsdestoweniger aber eine Unannehmlichkeit, zumal ich eher selten alleine unterwegs bin. Oder nicht nochmal irgendwo Eintritt bezahlen will, nur weil der Club-Betreiber das bereits bestehende Rauchverbot spätestens ab 2 Uhr morgens gar nicht mehr durchsetzt (war bis dato z.B. im Stadtgarten so).
    Bisher gewannen da immer die Raucher, genauso wie bei der Frage, „ob es jemanden stört“, auf die wohl aufgrund von Höflichkeit und / oder Gruppendynamik eher selten eine ehrliche Antwort zu hören ist (den Stempel des militanten Nichtrauchers erwirbt man erstaunlich schnell, wenn man sich erdreistet den Mund aufzumachen…siehe Deine Öko-Jasmintee-Tanten).
    Es war eben oft nicht ein friedliches Miteinander, sondern eher ein zähneknirschendes Tolerieren der Sucht der Mitmenschen.
    Apropos: das „friedliche Miteinander“ hörte in der Regel auch gleich am Nachbartisch schon wieder auf, und dann die eigenen Freunde nur zwei Meter daneben zu quälen ist ja auch irgendwie nicht zielführend.

    Ach, und selbstverständlich ist das Nervengift im Tee absolut OK, solange Madame nicht auf die Idee kommt das Zeug lungengängig zu machen und in nennenswerten Mengen in die Umwelt zu emittieren. Das mit den giftigen Emissionen aus dem Pinot Noir ist natürlich auf jeden Fall eine Studie wert, da muss man dran bleiben, das geht so nicht. 😉

    1. Ich moniere keineswegs den Nichtraucherschutz. Auch nicht entsprechende Diskussionen über Gesetze. Ich moniere die damit einhergehende, unerträgliche Verlogenheit. Bei den »Öko-Tantchen« wird sie doch unwiderlegbar dokumentiert, denn sie repräsentieren die Einstellung der vielzitierten breiten Nichtraucher-Masse. (Wovon die nun so breit wird, lassen wir mal dahingestellt.)

      Was die ehrliche Antwort auf die Frage, “ob es jemanden stört” betrifft: doch, die gibt’s eigentlich jedesmal, recht unverblümt. Kommt vielleicht drauf an, in welchen kreisen man sich bewegt, aber dass jemand sagt »nee *husthust* gar nicht *röchel* rauch nur« nur um nicht als militanter Nichtraucher zu gelten, das habe ich persönlich noch nie mitbekommen. Würde mir selber auch im Traum nicht einfallen. Wer fragt, kriegt eine ehrliche Antwort von mir, und die ist tagesform- und/oder speisenabhängig.

      Jedenfalls, die Dämchen: Keine besitzt genug Rückgrat, klar zu sagen »Tach, eure Qualmerei widert mich an, ich kann sie nicht leiden, bäh, zum Glück ist das jetzt verboten, also mach aus.« Wär doch okay, menschlich, ehrlich und ein klar formulierter Standpunkt.

      Aber nein, statt dessen werden depersonalisierte Studien und Gesetzestexte strapaziert und als Tarnungsgebüsch bemüht, hinter dem die uneingestandene Rauch-Aversion a) prima versteckt, b) anonymisiert und c) quasi-objektiv begründet werden kann. Und wer die Öhrchen aufspannt, merkt sehr schnell, dass die Dämchen mit dieser DDR-erprobten Heucheltaktik des gefallenwollenden Systemsklaven nicht alleine dastehen.

      Wer’s nicht merkt, wird spätestens beim Schluss-Satz wachsam: »Ach, ehrlich gesagt, ich hätte ja gar nix dagegen, wenn hier geraucht wird, aber es ist doch verboten, und außerdem sooooo ungesund, weil Nikotin ist ein gefährliches Neurotoxin, weißte….«

      Ja, weiß ich. Ehrlich gesagt 😉
      Und die gesundheitsbewussten, gesetzestreuen Dämchen sind abgefuckte Lügnerinnen, die unter falscher Flagge segeln. q.e.d. Genau wie jene politischen Quotengirls, die per Gesetz den Gastwirten ihr bislang unantastbares Hausrecht mal eben absprechen, um das vom Volke persönlich gespielte Bühnenstück »Raucher vs. Nichtraucher« zu eröffnen. Statt zu sagen, um was es beim angeblichen Nichtraucher-Schutz wirklich geht. Das Geschäft mit der Kriegsbeute Tabak ist halt einfach zu lukrativ, gell. Da beißt das Klavier keine H-Saite ab.

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