Wieso Textdesign?

Kicher … Nun mache ich meinen Job schon über 20 Jahre, und plötzlich geistern lauter neue Bezeichnungen für ihn durch die Welt. Bezeichnungen, die irgendwie teuer klingen sollen, die aber keiner so richtig versteht. Es sind weder schöne noch treffende Bezeichnungen. Sie sind doof und denglisch. Anzutreffen bevorzugt in Werbeagenturen, Verlagen und Medienanstalten. Paradoxerweise in solchen mit Sitz in Deutschland nebst deutschsprachiger Mannschaft. Dennoch wird der Kollege mit Besen, Schlüsselbund und Werkzeugkasten nicht Hausmeister genannt, sondern sowas Beknacktes wie Certificated Senior Facility Manager. Ja, in solchen Firmen gedeihen und wachsen sie, die komischen Begriffe, kriegen Ableger und babbische Stilblüten.
Textdesign.
Longcopy Management.
Content Shaping!
Original Copywriting …
Communication Services?
Oder gar *hüstel* »Texting.«
Texting?
Och nö, lass ma.

Mal abgesehen davon, dass dies die englischsprachige Bezeichung für das Versenden von SMS ist (was Texter zwar durchaus machen, aber beileibe nicht deren Handwerk beschreibt) stimmt’s nicht. Ich betreibe kein »Texting«. Ich designe auch keinen Text, sondern kreiere ihn. Originär und urheberisch. Designen kann ich ihn erst, nachdem ich ihn geschrieben habe. Und ich taufe einen gedruckten PR-Artikel auch nicht um zur »Corporate Content Magazine Hardcopy« oder so.

Warum nennen wir das, was ich mache, nicht einfach so, wie es wirklich heißt? Deskriptiv, unmissverständlich? Ich schreibe. Schreiben. Sagen Sie’s einfach ein paarmal hintereinander, dann sitzt es wieder wie angegossen. S-c-h-r-e-i-b-e-n. Auf dass nutzerfreundlich tönende Websites entstehen, Newsletter, Literatur, Magazine, Broschüren, Bücher, Podcasts, Mailings und was uns sonst noch Schönes einfällt. In diesem Sinne, fröhliche Vorweihnachtstage 🙂

SANYO DIGITAL CAMERA

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7 Kommentare zu „Wieso Textdesign?

Gib deinen ab

  1. Haha – das kann man auf alle Berufe übertragen.
    Die Leute denken, daß es einfach mehr hermacht.
    Was ist schon ein „Hausmeister“?
    Bei dem „Certificated Senior Facility Manager“ denkt man doch, daß dem die ganze Firma gehört. 😉

    1. Hihihihi das stimmt…. dann müssten sie aber konsequenterweise auch bereit sein, für den »mehr hermachenden« Job auch mehr zu bezahlen. Sollte ich mal probieren. Wenn mich eine Agentur nicht als Texterin, sondern als »Senior Corporate Copy Manager« engagiert, kostet’s einfach 20% mehr 😉

      1. haha – 😉
        Ja, ich dachte, der Sinn dieser ganzen aufgebauschten Berufsbezeichnungen sei die dann folgende bessere Bezahlung.

        Oder – es ist grad andersherum: je glamouröser die Berufsbezeichnung, desto schlechter die Bezahlung 😉

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