Das Leben fragt. Was antwortest du?

Das Schweigen eines entstehenden neuen Totalitarismus‘ liegt bleischwer über der Wirklichkeit. Von Australien bis Brasilien, von Deutschland bis Amerika, von Südafrika bis Indien ist das kulturelle und soziale Miteinander zum Stillstand gekommen, wurden menschliche Verbindungen zerschnitten und ihre Überbleibsel ins digitale Nichts der Smartphones und Computer gesperrt. Es herrscht Totenstille; nur unterbrochen von gelegentlichen Chants eifriger Systemsoldaten, die als Echowand für die massenmedial verabreichten Absurditäten einer »new normal« Scheinwirklichkeit dienen.

Warum Auswandern keine Lösung ist.

Zur Zeit sprechen wir oft mit Freunden und Kollegen über das Thema. Viele haben bereits einen Ort im Ausland, der sich wie eine zweite Heimat anfühlt. Am Meer, in den Bergen, im Wald, in der Wüste. Manche orientieren sich Richtung Osteuropa, andere fühlen sich wie ich im wilden Südwesten Portugals zuhause. Auswandern… für mich trotzdem im Moment nicht die Lösung. Denn das, was zur aktuellen Situation mit Fluchtwunsch geführt hat, ist ja nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern installiert, die an der aktuellen »Krone« Groteske und anderen Inszenierungen teilnehmen. Auswandern wäre folglich nur ein Umzug von einem Käfig in den nächsten, weil’s da anderes Futter gibt oder die Gitterstäbe in einer cooleren Farbe gestrichen sind.

Das Problem ist nicht »deutsch« oder »französisch« oder »amerikanisch« oder »chinesisch«, es ist persönlich. Es steckt in den Menschen. Unterwerfungslust, ein (oft unbewusstes) Betteln um Führung, eine Angst vor allem Wilden, Lebendigen, Natürlichen bei gleichzeitiger Verehrung des Künstlichen. Genau da stehen wir im Moment. Deshalb bittet die Masse so nachdrücklich um Bevormundung, chirurgische Vernetzung mit KI, Ent-Personalisierung und Vereinheitlichung individueller kreativer Eigenschaften. Das Böse und sein Transformationskonzept haben (für den Moment) die Oberhand: Es lehnt sich zurück und lässt die Menschen sich gegenseitig fertigmachen, hetzt die Mitspieler als Kasperle und Krokodil aufeinander, lässt sie hüpfen und tanzen und wüten, fesselt freie Menschen an fremdes Karma und macht sie dadurch zu Schuldnern einer Rechnung, von deren Existenz sie nicht einmal wissen.

So modern, so frei, vielfältig und hochentwickelt eine Zivilisation auch ist – früher oder später erschafft sie offenbar zwanghaft einen künstlichen Unterdrücker, um diesem dann mit kultischer Verehrung alles bisher Erreichte zu opfern und wieder zurück in die Selbstversklavung abzustürzen. Hauptsache, der Große Bruder kümmert sich.

Die Alternative?

Eigentlich ganz einfach. Theoretisch. Sie lautet: hinschauen, verstehen, den Stecker ziehen und NEIN zum roboterhaften Ferngesteuertwerden sagen. Man braucht kein Gurdjieff-Kenner zu sein, um zu verstehen, was das bedeutet. NEIN sagen zum massenmedial zelebrierten Hass, NEIN zu den Lügen, zu Gewalt, Zerstörung. Und darauf achten, dass es ein ehrliches Nein ist. Kein Lippenbekenntnis, sondern eines, das von innen kommt und sich im Denken und Handeln manifestiert. Dazu braucht es keine Politiker oder Führer, auch keine Räucherstäbchen-Session bei irgendeinem Labersack von Guru. Nur einen einzigen klaren, bewussten Gedanken. Theoretisch. Aber wie macht man das? Wie zum Teufel mache ich der betreffenden Realitätsebene klar, dass ich mit dem, was da passiert, nicht einverstanden bin?

An der Frage kann man verzweifeln. Ich habe auch keine druckreife Antwort. Aber für mich fühlt es sich so an, als ob sich diese Frage durch mein Handeln von selbst beantwortet. Mit allem, was ich denke und spreche, schreibe und mache, teile ich mein Einverstandensein respektive Nicht-Einverstandensein mit – sofern ich authentisch bin. Jeden Tag. Früher sagte man so schön »nach bestem Wissen und Gewissen«. Ich mag diese Formulierung. Die Realität brauchte keinen Sondernewsletter von mir, auch kein Visionboard oder ein Dutzend Journals mit Selbstreflexionen. Die Realität kriegt auch so mit, was bei mir Phase ist. Das Klick, der Vorher/Nachher-Moment war eher unspektakulär, ein ganz normaler Alltagsmoment. Aber er tat weh. Immerhin, kein Mistschmerz wie Wettermigräne, sondern ein guter Schmerz, wie beim Tätowieren, oder Muskelkrampf wegmassieren. Man weiß, es kommt etwas Gutes dabei raus. Denn plötzlich tut sich gedanklich ein Weg auf. Wohin der führt? Keine Ahnung, woher soll ich das wissen. Aber es ist ein Weg, und er will gegangen werden.

Also bauen wir etwas Neues.

Natürlich wird es nicht wie früher sein. Es gibt kein Zurück, das wäre unnatürlich. Also bauen wir etwas Neues. Utopia. Das Paradies? Ugh… zu kitschig. So hoch muss man es nicht hängen. Aber was immer es ist, wir können es bauen. Abseits irgendeiner hass- und angstgesteuerten Dualität. Wir sind diesem üblen Konzept, das hier grade gefahren wird, nicht hilflos ausgeliefert.

Wir können uns die gewaltige leistungsfähige Technik unserer Ära zunutze machen, unsere nahezu unerschöpflichen geistigen, spirituellen, intellektuellen und logistischen Ressourcen im Einklang mit dem Leben verwenden und daraus eine schöne, lebenswerte Wirklichkeit erschaffen. Es ist alles da, was wir brauchen. Ja, es gibt ein paar machtgeile Schlipsträger, die uns (noch) daran hindern – das liegt aber daran, dass wir das (noch) so wollen.

»Vieles geht in der Welt verloren, weil man es zu schnell verloren gibt.« (Johann Wolfgang von Goethe)

Das führt zum Beispiel dazu, dass Geisterbahnkonzepte wie Ballett-, Theater- und Musikaufführungen in Drive-in Kinos plötzlich allen Ernstes als Alternative zu echten Veranstaltungen gehandelt werden. Ein Horrorszenario, bei dem Künstler vor totem Blech spielen und das Publikum bewegungslos in Autos eingesperrt bei geschlossenen Fenstern auf ein digitales Endgerät starrt, um der »Aufführung« folgen zu dürfen. Aussteigen, tanzen, mitsingen und mit Fans interagieren strengstens verboten. Brech. Oder dass Biergärten und Restaurants mit Zwangsdesinfektion und Datenerfassung am Eingang sowie Mundschutzpflicht und Musikverbot als Ersatz für echte Kneipenkultur angesehen werden. Oder dass Wanderwege in der Natur, in Parks, an Küsten und Seen plötzlich mit Zäunen und Plastikpfeilen auf dem Boden markiert werden, um die jeweils »erlaubte« Richtung anzuzeigen, in der man sich zu bewegen hat. Geht’s noch erniedrigender? Und alles im Namen der »Hygiene- und Abstandskonzepte.« Allein die Wortschöpfung, mit der dieser Irrsinn camoufliert und legitimiert werden soll, ist krank.

Dass es sich hier um gezielte Verhöhnung kultureller Errungenschaften handelt, sollte jedem klar sein, der nicht die letzten 50 Jahre unter einem Stein verbracht hat. Die gewollte Freudlosigkeit gehört zum Konzept. Schlimmer als diese Ideen ist eigentlich nur die Tatsache, dass es Menschen gibt, die abgestumpft genug sind, um so etwas tatsächlich in die Tat umzusetzen.

Im Deutschen gibt es diese hübsche Formulierung »jemandem Macht verleihen«. Und wir alle wissen doch, wie das mit Sachen ist, die man verleiht, nicht? Von netten Menschen bekommt man sie unaufgefordert wieder zurück. Von weniger netten Zeitgenossen nicht. Da muss man eventuell nachdrücklich werden und sich seinen verliehenen Kram aktiv zurückholen.

Es scheint eine  Prüfung zu sein… und wir stecken mittendrin. Vom Nachbarn abschreiben geht nicht, denn jeder hat einen anderen Aufgabenzettel vor sich. Die Antworten geben wir nicht mit Geschrei, Petitionen oder Parteigründungen und ähnlichem Systemkokolores. Sondern mit eigenen, originären Gedanken. Mit jedem bewussten Atemzug, jeder bewusst gelebten Lebensminute, jeder selbst getroffenen Entscheidung. Und wenn du es willst, wirst du zum Überträger einer hochansteckenden Gesundheit, die sich »Ich bin« nennt. Jederzeit. Jetzt zum Beispiel, in diesem Moment.

Kathrin

 

PS: Ja, in diesem Text befindet sich der eine oder andere verschlüsselte Schlüssel.

PPS: Nein, ich erkläre nicht, wie man sie entschlüsselt. Wer es verstehen will, findet die Antwort von alleine.

PPPS: Ja, Gitarren klingen immer noch gut im Freien!

 

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Text: Kathrin Elfman © 2020 Foto: Pixabay

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