Moderne Kriegsführung: Truther, Trolle und die Erfindung der Schlafschafe

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Wer von uns denkt nicht wehmütig zurück an myspace? Hach, schön. Nach BTX und UUCP, Newsgroups im Usenet, ICQ und AOL endlich eine Plattform in Beinahe-Echtzeit, die auch für Nicht-Nerds nutzbar war. Der Begriff »Social Media« war noch nicht erfunden, geschweige denn, dessen Monetarisierung. Es gab keine Spy-Apps, die unser Nutzerverhalten in geldwerte Datenklumpen umrechneten. Keine Second- und Third-Screen-Kampagnen, keinen Chat, keinen Stream, keine Emoticons, keinen Meinungs-Terrorismus, keine Meme-Seuche, keine eingebetteten Fremdmedien. Es gab Foren und Profile. Und direkte, persönliche Interaktion.

Millionen Ansichten. Und alle sind wahr.

Eine Community im besten Sinne. Millionen User, die in ihrer Individualität buntwildnaiv aufeinanderprallen und ausprobieren, wie das so geht mit dem virtuellen Zusammentun. Ohne Stellvertreter-Autoritäten, die dem Ganzen eine künstliche ideologische Struktur aufzwingen, mit der die User nach abstrakten Kategorien sortiert und gemaßregelt werden. Man setzt sich direkt miteinander auseinander. Mit unzensierten klaren WORTEN. Man kommuniziert. Man artikuliert sich und sagt, was man zu sagen hat.

Innerhalb kürzester Zeit hatte ich mich damals dort mit Hunderten, später Tausenden von Kreativkollegen, Musikern und Künstlern aus Deutschland und aller Welt vernetzt. Es war spannend, surreal, erfreulich, verstörend, hilfreich, inspirierend und nie langweilig. Der Proberaum, das Schreibstübchen, das Atelier hatten keine Wände mehr, sondern die ganze Welt in Schulterblick- Reichweite. Ergebnis: viele interessante Bekanntschaften, die sich teilweise bis ins Reallife fortsetzten, kreative Kooperationen, aus denen mehrere Tonträger und Bücher entstanden sind, sowie diverse spaß- und gewinnbringende Text-Deals. Ja, auch potenzielle Auftraggeber aus Medien, Labels und Verlagen tummelten sich bei myspace. Vibe: Hier geht was. Genau wie vom Gründer Tom Anderson vorgesehen.

Nach ein paar fröhlichen, fruchtbaren Jahren kam der Paukenschlag, mit dem innerhalb weniger Tage alles vorbei war. Plötzlich waren Funktionalitäten nicht mehr nutzbar, Foren und Nachrichten verschwunden, statt der Profil-Inhalte prangten Site Takeovers und riesige animierte Banner auf den Seiten, die Plattform wechselte den Eigentümer und wurde zur Abspielstation für Daddelprodukte umgewandelt. Ende, aus, vorbei.

Viele von uns nahmen den bereitstehenden Fluchtbus zu Facebook. Man traf sich wieder, vernetzte sich erneut über Zeitzonen und Kontinente hinweg, alles war gut. Zumindest am Anfang.

Überfütterte Egos, Trolle und Spendenbuttons

Seit 2010 gibt es ein neues Phänomen, das vor allem bei Facebook, WordPress und Youtube monströse Ausmaße annimmt: die sogenannten Truther.

Für uns Kreative eigentlich irrelevant. Wir sind es gewohnt, uns eigene Gedanken zu machen und brauchen keinen Vorturner, der uns die Welt erklärt. Auf derartige Meinungs-Bevormundung reagiert unsereins eher angefressen. Außerdem sind wir meistens mit unserem Kram beschäftigt, schreiben Texte, Bücher und Songs, machen Musik, Filme und Bilder, nähen Klamotten, fahren Schiffe, fliegen Flugzeuge, pflanzen Essen an, reparieren Autos, bauen Häuser, Musikinstrumente oder Küchengeräte und treffen uns privat zum tiefgehenden Gedankenaustausch. Im virtuellen Raum ist das schwierig geworden, denn hier wird mit energetischen Splitterbomben geschmissen.

Wie Pilze im Sommerregen quellen immer neue virtuelle Präsenzen von sogenannten »Truth Warriors«, »Lichtarbeitern« oder »Weisheitslehrern« im Namen aller möglichen Ideologien aus dem digitalen Boden. Vom internationalen Bestseller-Autor über den klassischen Mainstream-Erklärbär bis zum laktoseintoleranten Grüngürtel-Esoteriker hat plötzlich jeder Meinungsfaschist seine Social Media Präsenz, über die er jedem, der nicht rechtzeitig seine Blockierliste erweitert, ungefragt irgendeine pseudo-politische, quasi-spirituelle, scheinbar systemkritische Theorie inklusive dazugehörendem Feindbild aufdrängt.

Selbstverständlich bietet er auch den ultimativen Weg zur Wahrheit an. Kostenpflichtig, versteht sich. Ob als Seminar, Workshop, Buch, Coaching oder Kongress. Oder als Spende. Als echter Systemkritiker hat man einen Paypal-Spendenbutton auf seinem Profil. Das System wird zwar wortreich als scheiße bezeichnet, ist aber nicht scheiße genug, als dass man es nicht zur persönlichen Bereicherung nutzen könnte. Passt, wackelt und hat erstaunlicherweise jede Menge Zulauf.

»Endlich erklärt mir jemand, wer an dem Mist schuld ist!«

Der Vorher-Nachher-Effekt ist erschreckend: Wo vorher eine knallbunte Masse aus Individualisten war, die sich verbündeten, zofften oder ignorierten, sind praktisch über Nacht neue Kriegsschauplätze und Armeen entstanden. Nicht zufällig, sondern strategisch gesteuert von genau denjenigen, die doch angeblich soooooo besorgt um das Wohl der Menschheit sind. Die quirlige, vielseitige Community wurde gerastert, genormt, standardisiert und in feindliche Lager aufgeteilt. Zu diesem Zwecke etablierten sich auch zahlreiche neue Begriffe, deren martialisch-militärisches Wording einem direkt sagt, wes Geistes Kind dahintersteckt. Zuerst erfindet man einen imaginären Feind, dann dichtet man ihm unsichtbare Massenvernichtungswaffen an, schwupps sind alle dafür, den Schlimmi auf brutalstmögliche Weise samt ein paar Millionen Zivilisten ins Jenseits zu bomben. Endlich, endlich weiß man, wer böse ist, und wen man ganz offiziell hassen darf.

Auf einmal gibt es »Schlafschafe«, die gegen »Verschwörungstheoretiker« kämpfen. Oder »Linke«, die gegen »Rechte« zu Felde ziehen. Sogenannte »Gutmenschen« betätigen sich kriegsgeil per »Melde-Terrorismus« gegen »Nationalisten«. »Veganer« drangsalieren »Fleischfresser« bis aufs Blut (Kalauer beabsichtigt). Selbstgerechte »Spirituelle Führer«, »Truth Seeker« und »Lichtarbeiter« stampfen phrasenmähend über die bunte virtuelle Blumenwiese und ermorden alles, was nach Freude, Liebe und Inspiration duftet.

Die Liste der halluzinierten Kriegsgegner lässt sich endlos verlängern: Wähler gegen Nichtwähler, Pegidisten gegen Islamisten, AfDler gegen Deutschlandhasser, Flat Earther gegen Heliozentriker, Lügenmedien gegen Blogger, Light Worker gegen Dunkelmenschen, Narkosemenschen gegen Truth Warriors – lauter hässliche neue Wörter, die als Etiketten für bestimmte Gruppen dienen und einen Ismus definieren sollen, dessen Anhänger als Gegenspieler zu einem anderen Ismus in den Krieg gehetzt werden. Koexistenz der verschiedenen Ismen? Nicht erwünscht.

Eines haben die Ismus-Repräsentanten und Follower gemeinsam: den Spaß am Krieg. Mit Wonne lassen sich Menschen in Grüppchen bündeln, gegeneinander aufhetzen und zerfleischen sich ohne jedes persönliche Motiv im Namen der jeweiligen Ideologie, die irgendein menschliches Stück Scheiße erfunden und in copy-paste-fähige Memes mit blutrünstigen »wir gegen die«-Parolen verpackt hat. Substanz? Nicht vorhanden. Macht sich aber gut im Facebook-Profil. Wenn man keine eigenen Gedanken hat, nimmt man halt ein Kriegspropaganda-Meme.

Und was machen Leute wie ich?

Tja. Ich gehöre keinem Ismus an, keiner Sekte, Religion, Ideologie oder politischen Gruppe. Ich füttere meinen Geist und beobachte sehr viel. Und ich tausche mich gerne mit Menschen aus, die ebenfalls beobachten und ihren Geist füttern. Über Geoengineering oder Geisteswissenschaft, die politisch-ideologische Entwicklung der letzten 5.000 Jahre, die Entstehung der Wirklichkeit oder den Metallurgischen Komplex und viele andere Themen, von denen in den Brüllmedien keine Rede ist. Ich habe keinerlei missionarischen Drang. Geschweige denn, dass ich irgendwen aufklären oder »aufwecken« will, wie das im Truther-Sprech so hübsch heißt.

Früher war ein freier, gechillter Austausch über diese Themen via Social Media möglich. Praktisch, weil ja nun nicht immer der gewünschte Gesprächpartner zufällig vor der Haustür rumlurcht. Heute geht das kaum noch. Ich probiere es trotzdem manchmal. Dann poste ich einen Sachverhalt, eine Frage oder nachprüfbare Fakten zu einem Thema und reflektiere diese öffentlich. Minuten später zeigt sich, wie gründlich die Meinungsfaschisten den virtuellen Raum übernommen haben. Je nach Thema stilisiert die eine Fraktion mich zum Anführer, zum »Opinion Leader« und ähnlichem Unfug mit viel Fallhöhe, während die Gegenfraktion spontan Schaum vor dem Mund kriegt und mich mit Hassphrasen überkübelt. Wie es sich für brave Soldaten im Dienste ihrer Führer gehört. Manchmal wird auch »gemeldet«. Volkssport nicht nur in der Ex-DDR, sondern auch beim Digital-Kriegspesonal.

So oder so, ein echter Austausch findet nicht mehr statt. Allzu fest zementiert sind die vorgefertigten Meinungen und Wahnvorstellungen der Kriegsteilnehmer. Auf die Idee, sich mal in eine Bibliothek zu setzen und in ein Thema fundiert einzulesen, kommt keiner mehr. Praktisch, nicht? Es gab mal eine Zeit, in der musste man Bücher verbrennen, um die Menschen dumm zu halten. Heute machen die User das selbst, weil sie dumm bleiben wollen.

Auffällig:

Die vermeintlich alles durchschauenden, geistig haushoch überlegenen und die Menschheit retten wollenden »Truther« und die »Schlafschafe« verhalten sich absolut identisch! Bis ins Detail. Ego-gesteuert, eitel, und sie brauchen Follower respektive ein Kollektiv, um sich ihrer Position gewiss zu sein. Und natürlich sind sie grundsätzlich überzeugt davon, die einzig wahre Wahrheit gepachtet zu haben.

Die sogenannten »Aufgewachten« und die »Schlafschafe« markieren keineswegs entgegengesetzte Pole am jeweiligen Ende einer bestimmten Skala, sondern befinden sich auf exakt derselben Position, derselben Bühne! Kasperle, Krokodil, und denkt vielleicht auch mal jemand an das Gretl und die Oma? Tragisch ist, dass keiner der Kriegsteilnehmer merkt, wessen Hand er im Anus stecken hat, und in wessen Interesse er tatsächlich agiert.

Der Solitär im Kieshaufen

Dass hier in Deutschland, in Europa und dem Rest der Welt momentan so einiges nicht stimmt, ist jedem klar, der die letzten Jahrzehnte nicht unter einem Stein verbracht hat. Und wer dieses diffuse Gefühl zulässt und hinterfragt, kommt ziemlich schnell an den Punkt, an dem er es genauer wissen möchte.

So mancher verliert beim Versuch, die Dinge verstehen zu wollen, den Glauben an die Menschheit, wird depressiv, fängt an zu saufen oder bringt sich um. Verständlich, aber unlustig. Andere bleiben zumindest rein biologisch am Leben, blenden aber alles aus, was ihre Matrix-Idylle gefährdet und degenerieren geistig so sehr, dass ihre Wahrnehmung und Sprache nur noch aus TV-Inhalten besteht. Wieder andere werfen sich dem erstbesten politischen, religiösen oder militärischen Führer ins Portfolio und kämpfen Stellvertreterkriege.

Wieder andere stilisieren oben erwähnte »Truther« zum Heilsbringer oder Guru, sich selbst zu Sektenjüngern und praktizieren die Fremdsteuerung als ideologischen Kult. Ja, die »Truther« sind richtige Cleverle. Sie machen aus der vermeintlichen Wahrheitssuche ein Business. Moralisch sehe ich da keinen Unterschied zum Waffenhersteller oder Legebatteriebetreiber. Bedarf erkannt, Bedarf erfüllt, kaufmännisch alles richtig gemacht. Menschlich halt eine Sauerei, aber wo eine Nachfrage, da ein Angebot.

Warum ich mich trotzdem immer noch im virtuellen Raum aufhalte? Okay, abgesehen davon, dass ich DNA-technisch ein unverbesserlicher Optimist mit viel Menschen- und Lebensliebe bin, gibt es noch einen zweiten Grund: weil selten, ganz selten, also wirklich richtig richtig selten ein seelenverwandtes Individuum meinen Weg kreuzt. Frei von Ismus und Partisanentum, ein selbstbestimmter frei denkender Souverän. Er entscheidet und handelt für sich. Er versteckt sich nicht hinter imaginären Autoritäten, sondern steht für sich selbst ein. Und er beschäftigt sich bereits aus eigenem Antrieb seit vielen Jahren mit den essentiellen Themen, die derzeit unsere gemeinsame Wirklichkeit durchschütteln. Interdisziplinär, autodidaktisch und ideologiefrei.

So eine Begegnung auf Augenhöhe ist für mich wie frisches Mandelgebäck, Grillfisch und Strandspaziergang in einem. Wenn das passiert, geht der Kontakt früher oder später immer über ins reale Leben über und verschwindet vom virtuellen Kriegsschauplatz. Rein virtuelle »Beziehungen« dieser Qualität gab und gibt es in meinem Leben keine einzige.

»Hä? Das musst du mir mal erklären.«

Muss ich nicht. Geh kacken und nerv mich nicht.

Stimmt, das ist nicht nett. Es ist meine angemessene und zielführende Standard-Absage an User, die mich mit unverschämten Erklärungsforderungen behelligen, weil sie mich mit ihrem Guru, einem »Truther« oder dem Fernseher verwechseln. Ich habe keine Geduld mehr mit Leuten, die ihren Geist nicht selber füttern wollen, sondern drauf bestehen, auf dem digitalen Silbertablett serviert zu bekommen, was man denn so zu denken und zu meinen habe.

Früher habe ich es manchmal versucht. Das mit dem Erklären. Habe Listen mit Keywords erstellt und den scheinbar interessierten Fragestellern viel Input geschenkt, mit dem sie etliche Wochen beschäftigt gewesen wären. Gab nicht mal ein Danke, geschweige denn, ein Ergebnis. Nur einen pampigen Abgang: »Nöl, mecker, motz. Waaaas, ich soll selber denken? Daten und Fakten recherchieren? Eigene Schlussfolgerungen ziehen? Frechheit, wie kann die arrogante Socke mir sowas Anstrengendes zumuten, wo ich doch im Fernsehen alles lecker vorverdaut bekomme, was ich wissen soll…« Bah. Drum: siehe oben.

Und was ist die Wahrheit?

Die Wahrheit ist, was sie ist. Weil die Dinge sind, was sie sind. Sie braucht keine selbsternannten Anwälte, Meinungskrieger und Übersetzer. Es ist ihr herzlich egal, was ich von ihr halte. Oder was irgendwer sonst von ihr hält. Meine persönliche Meinung ist daher komplett irrelevant und kann niemals Gesprächs- oder gar Diskussionsgegenstand sein. Meinungen sind nur dort Gesprächsinhalt, wo es nicht um Inhalt geht: im Meinungsfaschismus der Truther, ihrer Gegenspieler und den vielen simultan geführten Meinungskriegen.

Newsflash: Es braucht keinen Guru, keine Partei, keinen Führer und keine Pseudo-Autorität, die einem sagt, was man zu denken und zu fühlen hat. Da draußen sind alle, wirklich alle Informationen, Dinge, Menschen und Phänomene, mit denen man seinen Geist füttern, seine Fragen beantworten, seine Neugier stillen, seine Intuition schulen und sein Bewusstsein erweitern kann. Wenn man will. Keine Geheimlehren, keine »Insider-Infos«, so etwas gibt es nicht. Das sind erfundene Begriffe von Wichtigtuern, die sich damit einen Anstrich von »Insider« verleihen und alltägliche Naturgesetze rund um Magie und Energetik so sehr verkrypten, dass sie kaum noch jemand versteht und sich die »Eingeweihten« elitär-überlegen fühlen können. Gähn. Zum Glück ist die Nummer schon fast rum. Die Zeitqualität ist ganz schlecht für Lügen und Geheimnisse. Alles kommt ans Licht, alles ist offen, alles kann recherchiert, angeschaut, ausgewertet, beobachtet, erfahren, durchschaut und verstanden werden. (Sofern man denn tatsächlich seinen Horizont erweitern und nicht nur stumpf Recht haben will.)

Außerdem ist die Erde ein Fischbrötchen.

Beispiel Flat Earther vs. Heliozentriker. Ein ideologischer Krieg, von außen betrachtet so sinnlos wie Sprachunterricht für Mehlwürmer. Niemand, der unser Erde-Dings nicht mit eigenen Augen von ziemlich weit weg gesehen hat und lebendig zurückkam, kann dazu eine fundierte Aussage treffen, und selbst die wäre immer noch individuell. Also was soll das Gemetzel?

Ich habe mal einige der Kriegsteilnehmer gefragt, was sie machen würden, wenn plötzlich jemand reinkäme und ihnen mit absolut hieb- und stichfester Beweisführung darlegen würde, wie die Erde beschaffen sei. Damit wäre die Antwort gefunden und der Krieg beendet, oder? Die Antworten auf beiden Seiten (!) waren identisch: »Nein, denn dann wüssten wir endlich, wer Recht hat und wer nicht!« Aha. Es geht also mitnichten darum, unser Universum und das Leben zu verstehen, sondern nur darum, wer Recht hat? Meine Fresse. Ist es nicht scheißegal, ob die Erde nun rund, flach, hohl oder ein Fischbrötchen ist? Statt ideologische Meinungskriege darüber zu führen, wäre es für den Anfang mal ganz nett, wenn wir uns alle drauf einigen könnten, das Erde-Dings insgesamt achtsamer und respektvoller zu behandeln. Weil es sonst kaputtgeht. Und dann ist es völlig wumpe, ob es als Scheibe, Kugel oder Mittagessen kaputtgeht, und wer Recht hatte.

Oder dieses penetrante »wir-hier-unten-gegen-die-da-oben«-Gewichse. Die Rothschilds und Rockefellers sind an allem Übel schuld, jawoll, denn die knechten uns und beuten uns aus. Klar, ein paar »Truther« haben’s hingeschrieben, also muss es wahr sein. Dass ebenjene Familien zwar moralisch abgefuckte Hackfressen sind und in der Geschichte viel Übles bewirkt haben, geschenkt. Wissen wir. Aber sie sind keineswegs die mächtigen Finsterlinge im Hintergrund, als die sie vermarktet werden. Sie sind lediglich weisungsgebundene Hausmeister für die bislang von den allwissenden »Truthern« mit keinem Wort thematisierten wahren Strippenzieher. Ja, und an die traut sich keiner der Kriegstreiber ran, denn diese Sphären sind nichts für Wichtigtuer und Meinungsfaschisten. Dort ist es richtig dunkel. Wer sich dort umschaut, muss wissen, dass alles, was er bisher glaubte, sich als Illusion entpuppt und er mit ganz neuen Erkenntnissen konfrontiert wird. Meinungsfaschisten und eitle Fatzkes wissen das nicht. Wollen es auch nicht wissen. Wenn ich diese Tatsache beiläufig erwähne, weil sie erstens wahr ist und zweitens nachgeprüft werden kann, gibt’s Haue. Von Truthern wie Followern. Denn damit stelle ich ja das standardisierte, bequeme Feindbild in Frage.

Bizarr wird’s auch bei den geisteskranken Hassgefechten zwischen Darwinisten und Kreationisten. Da haben sich die passenden Fanatiker gesucht und gefunden! Spielt es wirklich eine Rolle, ob wir aus dem Quastenflosser hervorgegangen sind oder vor ein paar Tausend Jahren hier samt Kulisse aus dem Jenseits hergebeamt wurden? Wir sind hier. Jetzt.

Ja, was ist denn nun die Wahrheit?

Nochmal: Wir sind hier. JETZT. Beheimatet in einem Meisterwerk von Körper, in dem wir diesen riesengroßen Abenteuerspielplatz hier erkunden können. Und da gibt’s ein paar Millionen Schattenparker und Spaßbremsen, die nichts Besseres zu tun haben, als ihre Existenz mit Krieg darüber zu vergiften, wessen Halluzination denn wohl die coolere sei? Heiliges Mandelhörnchen.

Hier gibt’s so viel zu lernen, zu erforschen, zu verstehen und zu erkennen! Allen voran mal uns selbst. Liebe, Herzensverbindung, Sex, inkarnationsübergreifende Seelenverwandtschaft. Oder wie das mit unserer Manifestationsenergie ist, die dieses Jetzt-Dingens in Realtime jede Sekunde neu zurechtbastelt. Erkenne dich selbst, dann erkennst du Gott. Schon mal spaßeshalber drüber nachgedacht, was das bedeutet? Und warum das an den aufeinander folgenden Pforten des Orakels von Delphi steht? Und warum alle Orakelstätten im Jahr 391 n. Chr. durch den christlichen Kaiser verboten wurden? Allein um diese vielen Facetten des Menschseins und des Lebens zu erfahren, ist man viele, viele Jahrzehnte gut beschäftigt. Außerdem gibt’s jede Menge uraltes Zeug auszubuddeln und zu analysieren, Neues zu erfinden, zu erschaffen, zu verstehen, so viel Schönes zum Ausprobieren und Spielen! Ganz ohne Ideologie, Truther und Kriegstreiber. Frei, selbstbestimmt und möglichst entspannt. Egal, wer Recht hat – keiner von uns kommt aus der Nummer hier lebend raus. Also macht was draus. Und das ist die Wahrheit. Nicht einfach, aber simpel.

 

© Kathrin Elfman 2017

 

 

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2 Kommentare zu „Moderne Kriegsführung: Truther, Trolle und die Erfindung der Schlafschafe

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  1. Wahnsinn, genau so ist das.
    Du hast einmal mehr den Nagel genau auf den Kopf getroffen… wenn mir mal wieder zu dem ganzen Wahnsinn da draußen die Worte fehlen, dann weiß ich, wo ich sie finden kann,

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