Antikörper 3.0

Alles in Ordnung. Weil alles in Ordnung sein muss. Freier Wille schmiegt sich komfortabler Unfreiheit entgegen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Diese Sehnsucht – nein.

Leben, gerastert in leichtverdauliche Portionen. Ich würde ja gerne, aber. Schuld sind immer andere. Freiheit im Sonderangebot, es gilt der an der Lüge befindliche Preis. Secondhandgedanken, Zyklen, leere Rituale befallen alles Sein wie Schimmelsporen und verwandeln es in toxisches Gewucher, das sich ernten, schockfrosten, zu Datenpäckchen pressen und als Währung verwenden lässt im Tausch gegen neue Lügen. Zwanziguhrfünfzehn mit Klimawandel ohne Zucker.

Diese Sehnsucht?

Nur nicht dran denken, an den demutsvollen Blick in die wilde Brandung. Weil alles ist, und wir sind. Sie nur nicht fühlen, die kathartische Wut, die heilende Klarheit, die Naturgewalt, die alles Künstliche verbrennt. Sie nur nicht zulassen, die Liebe, deren Erfüllung alles ist und nichts fordert. Nur nicht tieftauchen in schwärzegeflutete Katakomben, in denen es es niemanden gibt, den man lieben, hassen oder belügen könnte, weil das Wort DU nichts bedeutet.

Diese Sehnsucht –

Plötzlich ist sie da, die Nacht. Jene absolute Dunkelheit, in der dein Nein keine Kraft mehr hat. Die Nacht, in der alles, was Licht erzeugen könnte, in etwas übergeht, das wir JETZT nennen. Die Nacht, in der nur noch planetarische Kühle, kataklysmisches Kernfeuer, das Getöse entstehenden Lebens und kollabierender Sterne sind, alles je Gefühlte, Erdachte, Wahre und Falsche; jene ganz besondere Nacht, in der du niemanden mehr findest, den du lieben, hassen oder belügen könntest – weil das Wort ICH nichts bedeutet.

Warum es so dunkel ist? Weil es der Schwärze nichts mehr entgegenzusetzen vermag, das blinde, feige, unechte, nichtsmeinende, auf Nummer sicher gehende Liebes-Imitat, deshalb!

Zeit, sich zu ergeben. Über die Grenze der Angst verlasse ich das Wollen und Denken und suche dich auf der anderen Seite. Sternenloses Schwarz enthüllt, was sich im Tageslicht versteckt. Ich kenne den Weg, gehe ihn jede Nacht. Ich sehe dich und weiß, du gehst ihn zum ersten Mal.

Hab keine Angst, wenn dein Herz, entflammt in heldenhafter Wildheit das Tor zur Hölle öffnet, die Wahrheit erkennt und dein wehrhaftes ICH versucht, dich zu schützen –

lass es los. Das bist nicht du.

Alles IST, und wir sind. Keine Angst, wir finden den Weg zurück; zurück ins Wollen und Denken, in die Ordnung. Wo Magie in die ihr zugedachte Form fließt, zu Wirklichkeit gerinnt, vorübergehend.

Weil wir sind, und alles IST.

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(Kathrin Elfman © live 2009 & 2017)

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