Hörst du die seltsame Musik im Äther?

Seit am 9. März in Deutschland die Live-Musikszene, wie wir sie seit den 1970er Jahren kennen und lieben, verboten wurde, erfüllt eine andere Musik den Äther. Sie war schon lange da, man hört sie aber zur Zeit lauter als sonst. Es ist seit Jahrzehnten dasselbe Stück, gespielt vom selben Orchester. Jetzt kam ein neues Element hinzu und bildet mit den bestehenden Tönen einen seltsamen vierstimmigen Akkord aus Krieg/Migration/Klima/Covid19. Die vierte Stimme liegt 23 Vierteltöne über der eigentlichen Melodie und komplettiert das Werk auf schrille Weise.

Vor ein paar Wochen schrieb ich Das Leben fragt. Was antwortest du? Die Frage bleibt weiterhin unbeantwortet und wiederholt sich mit zunehmender Lautstärke. Da capo al fine. Quale fine? Wenn wir nicht bald antworten, kommt die fünfte Stimme wohl noch diesen Winter dazu. Ich sehe kein Ende. Nur scheinbar unterschiedliche Geschichten, erzählt in immer gleichen Worten, Sätzen, Wendungen. Und in jeder Heldenreise derselbe Hauptdarsteller: der Mensch als universelle Gefahr für den Weltfrieden, fürs Klima, für andere Menschen – kurzum, der Mensch als ultimative Bedrohung für den Planeten an sich. Eine Bedrohung, die es unschädlich zu machen gilt.

Der Mensch muss entmenschlicht werden, dann ist alles gut. Dann gibt’s keine Krankheiten, keinen Krieg und keinen Klimawandel mehr.

Soweit das Leitmotiv. Die Lüge, die Falschheit darin ist offensichtlich. Und trotzdem, was tut der Hauptdarsteller? Schnallt er es? Antwortet er endlich? Erkennt er seine Lage, sagt NEIN und befreit sich aus der selbstverordneten Sklaverei? Richtet er sich auf, holt sich sein Menschsein, seine Freiheit, sein Leben zurück? Wenigstens in der Trugschlusskadenz, wenn die vier Themen sich zu sus4-Getöse zusammenfinden, die Kulissen weggezogen werden und alle Türen weit offenstehen? Parsifal findet heim zur Burg, Kundry ist erlöst, Amfortas geheilt, Gurnemanz happy und der Gral leuchtet wieder, alles fein?

Nichts dergleichen. Der moderne Parsifal leidet an Begriffsstutzigkeit und benutzt seinen magischen Speer höchstens zum Tofuschneiden. Er hört nicht, was ihm aus jeder Fuge der Realität entgegenschallt. Warum? Weil er keinerlei Interesse an Freiheit, Frieden und Glück hat. Er ignoriert die Klebestellen und Reißzwecken, mit denen sein papiernes Weltbild zusammengetackert ist und tut so, als sei das alles echt. Er geht auf »Abstandskonzerte« und tut so, als wäre er auf einem echten Konzert. Er lässt sich wie Vieh in Gitterlaufställe sperren, zwangsdesinfizieren und tracen, trägt bescheuerte Stofflappen im Gesicht, akzeptiert rotweißes Flatterband überall, stellt sich brav auf Markierungen und fragt um Erlaubnis, wenn er von A nach B gehen will, und zwingt sogar seine Kinder in diesen Alptraum. Jeder Schimmelpilz trägt mehr Liebe und Selbstachtung in sich als der moderne Parsifal. Ein zombifiziertes schwächliches Untertanenwesen, ein williger Helfershelfer des neuen KI-dominierten Totalitarismus. Und weil er von seiner eigenen Unterwürfigkeit gelegentlich selbst angewidert ist, kompensiert er seinen Selbsthass, indem er Hobbypolizei spielt und diejenigen, die mutiger und klüger sind als er, mit massenmedial zur Verfügung gestellten Labels wie Nazis, Rechtsradikal, Coronaleugner oder Systemschädlinge beklebt.  Er hört und sieht nicht mehr, was vorgeht.

Wie schon zuvor für die Migrations- und Klimareligion opfert er jetzt mit kultisch-wahnhafter Verehrung seinem neuen Gott Corona alles, was ihm an zivilisatorischen wie kulturellen Errungenschaften noch geblieben ist. Und das Schlimmste dabei ist: Er fühlt sich gut dabei. Der moderne Parsifal ist ein programmierter Totalversager mit erloschenem Bewusstsein, der seine systemkompatible Ignoranz bereits so sehr zum Lifestyle umfunktioniert hat, dass er sich schon wieder für einen Quasi-Anarchisten hält; er ist »woke«, wie es auf Neudeutsch heißt. Kognitive Dissonanz mit Stockholm-Syndrom.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Ich höre es. Einige wenige lebendige wache Menschen, die mir nah sind, hören es ebenfalls. Sehen es. Wissen es. Es tut gut, darüber sprechen zu können. Telepathisch, telefonisch, Auge in Auge. Auf sozialen Netzwerken? Ausgeschlossen. Dort tummeln sich – von einzelnen denkfähigen Künstlerkollegen abgesehen – inzwischen überwiegend Meldetrolle, NPCs, Möchtegern-Revoluzzer und Tastaturphilosophen ohne Hirn, Mut und Seele, ermöglicht durch den digitalen Persönlichkeitsspalter, bei dem man vorgeben kann zu sein, was man gerne wäre, ohne es je wirklich sein zu müssen. Und schon ergibt 2 + 2 dann eben doch 5 und manchmal 3. Vernünftig werden, Winston! Und er liebte den Großen Bruder. (Beziehungsweise den Wohltäter, wie es im Original WIR von Jewgenij Samjatin heißt. Sollte man gelesen haben. Also Samjatins Original von 1920 meine ich. Das spätere Orwell’sche Werk 1984 ist auch wichtig, aber die russische Geschichte ist um einiges kraftvoller, verstörender und tiefgründiger. Und einfach viel besser geschrieben.)

Apropos authentisch.

In Zeiten des Fake, der Lüge und der Schatten-Anbeterei in Platos Höhle freue ich mich über die Menschen in meinem Leben, die sich ihres Verstandes und ihrer Intuition bedienen. Ich erkenne sie. Wir erkennen uns. Immer. Im Gegensatz zu den identitätsfreien Systemzombies haben diese Menschen eine kraftvolle, lebendige Energie. In ihnen lodert ein Feuer, mit dem sie ständig ihre Wahrnehmung klären und von überflüssigem Schmodder freibrennen, auf dass nur das »Gold« übrig bleibt. Offene Gesichter, liebevolle Augen, erfrischend ehrliche Rüberkomme, frei von kriecherischer Heuchelei. Es sind keine omnipotenten Alchemisten, keine Übermenschen, keine buchbaren Propagandawichser und gewiss keine quallengesichtigen Anzugträger mit Superioritätskomplex, die den ganzen Tag von sich im Pluralis Majestatis reden, mit Excalibur Tomaten und Mozzarella kleinschneiden lassen, sich auf dem Deckel der Bundeslade im Bernsteinzimmer eine Line nach der anderen in die Nase ziehen und mit außerirdischen Formwandlern Rheingauriesling aus dem Heiligen Gral trinken (irgendein Klischee vergessen? Nein? Dann ist gut.)

Es sind lebendige Menschen, die LEBEN, statt sich verwalten zu lassen und fremdgesteuert ihrem Zerfall entgegen zu oxydieren. Wache freie Wesen mit einem Blick für Schönheit und Wahrheit, ob in der Natur, in anderen Menschen, in Dingen wie auch im nicht-stofflichen Sein. Was wir zusammen tun? Wir tauschen uns aus, machen Musik, schreiben, erschaffen Kunst, manifestieren alltägliche Dinge, sagen NEIN zu wahnhaften religiösen Konzepten und unsinnigen Anweisungen irre gewordener Pseudo-Autoritäten. Wir bauen Wirklichkeit, ganz unprätentiös ohne Streicher, Kameras und Special Effects. Setzen dem giftigen künstlichen Vernichtungs-Akkord etwas Echtes, Liebevolles, Wahres entgegen und scheißen auf die massenmedial verordnete Angst, Resignation und Panik. Wir denken originäre Gedanken, die sich in Handlungen auswirken und das erschaffen, was wir JETZT nennen. Erste Wörter, die zu Geschichten werden. Töne, aus denen Musik entsteht. Oh, und wir lachen viel zusammen. Ganz wichtig.

Genau das ist der magische Baustoff einer besseren, schöneren Realität: aus Individualität und gedanklicher Freiheit geborene Kreativität. Was glaubst du denn, warum man Musiker, Schriftsteller, Tänzer, Maler, Filmemacher und andere Künstler zur Zeit von allen Seiten aus so erbittert bekämpft, als »nicht systemrelevant« diskreditiert, zensiert, aushungert, mit Berufsverbot belegt, öffentlich der Verhöhnung preisgibt und das Publikum in Acrylglaswürfel und Tierkäfige sperrt, wo es keinesfalls aufstehen, singen, tanzen, kommunizieren oder frei atmen darf? In 188 Ländern der Erde?

Weil hier der Baustoff der Welt zu finden ist!

Jeder freie unzensierte Gedanke, jedes noch so kleine selbstgeschriebene Gedicht, jedes intuitiv gemalte Bild, jede neue frei erdachte Geschichte, jedes tief empfundene und gelebte »auch wenn ich der einzige bin, der so denkt, aber ich fühle, dass es wahr und richtig ist«, jedes neue Foto, jedes neue Lied, jedes improvisierte Gitarrensolo, jedes Werk, das dich und andere vor Glück tanzen lässt, ein wichtiger Teil des Anfangs einer besseren, lebenswerten Welt. Weil wir’s können. Ich weiß nicht, wie viele wir sind. Aber ich weiß, dass wir bis zum letzten Atemzug das tun, wofür wir hier sind. Lecker Rheingauriesling und Tomatenmozzarella gibt’s auch.

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Text: Kathrin Elfman © 2020 Foto: Pixabay

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Ein Kommentar zu „Hörst du die seltsame Musik im Äther?

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  1. Salut Madame Elfman, Kommentare schreibe ich eher ungern, aber Ihnen möchte ich ein Quantum Trost schenken. Halten Sie durch und freuen Sie sich über Ihre geistige Gesundheit. So mache ich es hier in Südwestfrankreich. Der Atlantik entschädigt mich gleichsam für alles. Und wenn wir ehrlich sind, haben wir gewußt, daß die Dummheit versucht, uns zu umzingeln. »À ce train-là, elle tombera bientôt malade.« Bleiben Sie gesund, bitte. Cordialement

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