»Frau Elfman, schreiben Sie mal was Lustiges über den Wulff?«

»Oder Guttenberg. Oder diesen Dingens, den mit dem Ausländerbuch! Sie fassen solche Sachen immer so süffig in Worte, die Leser mögen das. Machen Sie’s?«

Nein, mach ich nicht, trotzdem danke für die Anfrage. Ich schreibe über Dinge, die mich interessieren, und zu denen ich etwas zu sagen habe. Auf Wulff, Guttenberg et al. trifft beides nicht zu. Über sie zu schreiben wäre folglich so sinnlos, dass mir noch nicht mal eine Sinnlos-Metapher einfällt. (Oder doch, Moment: »So sinnlos wie einem Blauwal zu erklären, was ein Wüstengoldmull ist.« Ha, geht doch!)

Ich habe mich in den 90ern von meinem ehemaligen Beruf als TV-Redakteurin samt dazugehörender ethischer Scheußlichkeiten verabschiedet. Zurückgelassen habe ich dabei auch meine Bereitschaft, als Multiplikator für etwas tätig zu werden, das, Überraschung! gar nicht existiert.

(Wie, nicht existiert? Was meint sie denn jetzt wieder?)

Ganz einfach: Das, was aktuell unter »Deutschlandpolitik« rangiert, besteht aus fiktiven Hierachien und Strukturen, die von willkürlich benannten Funktionsträgern repräsentiert werden, um den Anschein von Autorität zu vermitteln. Eine Illusion. Siehe auch Orwell 1984. Wichtigste Säule dieser Illusion ist die sogenannte »Macht der Medien«, die uns diktiert, was wichtig ist, und wovor wir Angst haben sollen, hui. Sie trägt ein bunteres Kleid als Orwells »Großer Bruder«, ist aber charakterlich genauso scheiße. Und die Handlungsweise von Politikern und anderen Funktions-Repräsentanten, seien es nun Herr Wulff, ein Mehrheitsaktionär eines TV-Networks oder der Vorstandsvorsitzende einer Bank, unterliegt keiner inneren, autarken Motivation, sondern spiegelt Metaphern wider. Metaphern!

(Das Wort bitte kurz ankommen lassen. Darin liegt der Schlüssel zu einem sehr speziellen Schloss. Die damit verschlossene Tür führt direkt in die Freiheit.)

Wir werden beherrscht von Angstmetaphern, Glücksmetaphern und etlichen anderen Metaphern, repräsentiert durch Avatare, Platzhalter, Stellvertreter. Ihre »Macht« erhalten diese Avatare durch Millionen von Menschen, die das Dargebotene für real halten und stabilisieren. Wir stabilisieren also aktiv genau das, was uns unfrei, ängstlich und beklommen macht! Wie absurd das ist, zeigt sich, wenn der Repräsentant einer Metapher gegen einen anderen ausgetauscht wird, ohne dass sich am Gefüge etwas ändert. Was ja logisch ist, schließlich steuert ein Avatar nicht seinen, ahem, »User.«

Deshalb schreibe ich nicht über »den Wulff.« Jedwede Sympathie oder Antipathie meinerseits wäre ja mangels persönlichem Kennenlernen nicht echt, sondern allein durch Medieninszenierungen künstlich erzeugt – und somit völlig sinnlos. Womit wir wieder bei Blauwal und Wüstengoldmull wären.

Übrigens: Die Entscheidung, ein waches, liebevolles Bewusstsein (bewusst sein!) zu haben, kann jeder treffen, jederzeit, in jeder Lebenslage. Dieser Schritt ist von niemandem abhängig. Man braucht dazu keine Psychobücher, keinen teuren Coach, keinen Guru und ganz gewiss keinen Fernseher. Es dauert nur einen Augenblick, verändert aber alles. Okay, die Umsetzung braucht länger, je nachdem, wie verfestigt die fremdbestimmten Denk- und Fühlstrukturen sind. Aber wenn man sich erst einmal innerlich davon gelöst hat, zerbröselt das aufgezwungene Weltbild schnell. Wie die abgestorbene Haut einer Eidechse abfällt, sobald darunter schöne neue Haut gewachsen ist. Macht Spaß, außerdem frei, gesund und glücklich.

Und deshalb gehe ich jetzt wieder schreiben. Eine lustvolle Liebesgeschichte über Menschen, die ebenfalls in diesem faszinierenden Jetzt-Dingens leben und sich damit auseinandersetzen, was denn nun real ist und was nicht ….

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3 Kommentare zu „»Frau Elfman, schreiben Sie mal was Lustiges über den Wulff?«

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  1. Danke liebe Ulla:-) Hm, ich könnte? Wirklich? Mal überlegen *grübel* oh, vielleicht so:

    »Skandal am Nordpol! Das Amt des Weihnachtsmannes wurde beschädigt! Wie ich soeben erfahren habe, wurden bei Mister Minit mehrere rotweiße Stiefel kostenlos besohlt. Die Zwerge sind empört und verlangen ebenfalls neue Schuhe. Führende Engel haben aus Protest die Produktion von Unsterblichkeits-Lebkuchen sowie Glitzerstaub ausgesetzt, und die Rentiere verlangen nun gratis neue Hufeisen. Hat denn der Weihnachtsmann kein Gewissen? Was für ein Charakter ist das bloß? Wo kämen wir denn da hin, wenn so ein hohes, ehrwürdiges Amt undsoweiter! Und diese selektive Presse erst, boah. Berichtet seitenweise über den Weihnachtsmann, und wer schreibt über die vielen Wichtel, die die ganze Arbeit machen?«

    Ja, oder so;-)

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